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Bio-Boom verlässt die Discounter

Jahrelang steigerten Bio-Produkte die Einnahmen von Supermärkten und Bio-Fachgeschäften. Der Einkauf des kostspieligen Öko-Foods gilt als schick und fast schon als Statussymbol. Im Jahr 2008 wuchs die Bio-Lebensmittelbranche um rund 10 Prozent. Selbst große Lebensmitteldiscounter wie Penny, Lidl oder Aldi erweiterten ihr Sortiment um immer mehr Bio-Produkte. Ihr Angebot umfasst beispielsweise Bio-Eier, Bio-Nudeln, Bio-Milch und Textilien aus kontrolliert-biologischem Anbau.

2009 ging der Umsatz der gesamten Lebensmittelbranche plötzlich um 2,4 Prozent zurück. Vor allem Discounter verzeichneten starke Einbußen, aber auch einige kleinere Bio-Läden mussten schließen. Große Bio-Märkte dagegen trotzten der Krise.

Ursache dieser Entwicklung ist zum einen die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland. Verbraucher achten beim Einkauf verstärkt auf die Preise. Das bekommen vor allem die großen Lebensmittelhändler und Discounter zu spüren. Laut Lidl ließ die Nachfrage nach teuren Bio-Produkten nach.

Zum anderen bieten immer mehr Supermärkte immer mehr Bio-Produkte an, so dass der Markt in einigen Segmenten schon gesättigt ist. Auch die Übernahme des Discounters Plus durch seinen Konkurrenten Netto war für die schlechte Entwicklung des Bio-Markts im Discounterbereich mitverantwortlich: Nach der Fusion entfernte Netto viele Bio-Produkte aus seinem Sortiment, die bei Plus noch guten Ansatz fanden.

Edeka-Sprecher Alexander Lüders bestätigt, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten in Supermärkten zurzeit abnimmt, da konventionell hergestellte Lebensmittel immer günstiger werden. Im Jahr 2009 haben die Discounter ein Dutzend Preissenkungen eingeleitet, um der befürchteten Konsumzurückhaltung infolge der Wirtschaftskrise vorzubeugen. Konventionelle Einzelhändler reduzierten daraufhin die Preise für ihre Bio-Produkte. Ihre Hoffnung, dass die niedrigeren Preise durch höhere Verkaufszahlen ausgeglichen werden, wurde allerdings enttäuscht: Der Umsatz im konventionellen Einzelhandel zog wider Erwarten nicht an.

Im Gegensatz dazu verzeichnete der Bio-Fachhandel von 2008 bis 2009 ein Wachstum von vier Prozent. Das Bedürfnis der Konsumenten nach regionalen Bio-Lebensmitteln deutscher Anbauverbände steigt nach wie vor und eröffnet dem Bio-Fachhandel weitere Wachstumschancen. Verbraucher schätzen das vielfältige Sortiment und die kompetente Beratung im Bio-Fachhandel.

Kleinere Bio-Läden bleiben dabei allerdings auf der Strecke. Unterm Strich gaben 50 Geschäfte mit einer Fläche von unter 300 Quadratmetern auf, während die großen Bio-Ketten 12 Märkte mit größerer Fläche neu eröffneten. Einer dieser Gewinner ist die große Biokette Alnatura. Sie steigerte ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2008/2009 um 18 Prozent auf 361 Millionen Euro und eröffnete 10 neue Filialen.

Auch die auf Öko-Food spezialisierten Fachgeschäfte haben 2009 laut BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.) schätzungsweise 4 Prozent mehr eingenommen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Bio-Produkten steigt also vor allem in größeren Bio-Läden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Gesamtentwicklung in der Bio-Agrarwirtschaft positiv verläuft. Im vergangenen Jahr stellten etwa sechs Prozent mehr bäuerliche Betriebe auf Öko um. Insgesamt arbeiteten circa 21.000 Betriebe nach den Maßgaben des ökologischen Anbaus. Öko-Landwirte produzieren im Gegensatz zu ihren konventionell arbeitenden Kollegen ohne chemisch-synthetische Pestizide und Mineraldünger. Je schneller die Branche wächst, so das Kalkül der Befürworter des ökologischen Landbaus, desto stärker wird die Umwelt entlastet.

Quelle:

BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.), www.boelw.de/uploads/media/pdf/Dokumentation/Zahlen__Daten__Fakten/Praesentation_PK_Gruene_Woche_2010.pdf