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Das Network-Dilemma: Wie Mitarbeiter-Profile Ihrem Unternehmen nützen oder schaden

Persönliche Reputation im Netz wurde bisher immer aus Eigen-PR- und damit meist aus Bewerbersicht diskutiert. Allenfalls beim Ruf eines CEOs oder Chefentwicklers war man sich einig, dass dieser auch auf seinen Arbeitgeber abstrahlt. Mitunter sogar auf dessen Aktienkurs. 2013 kommen zwei Faktoren zusammen, die das ändern.

1. Personendaten werden vernetzter und sichtbarer

Die neue Facebook Graph Search schlägt schon Wellen, bevor sie überhaupt das Beta-Stadium verlassen hat. Sie verknüpft die gewaltigen Datenmengen der Nutzerprofile und macht sie so nutzbar. Damit kann man zum Beispiel herausfinden, wer in der Heimatstadt welche Restaurants bevorzugt. Rasterfahndung für alle sozusagen.

Das Problem: Unüberlegte Likes, Posts oder installierte Facebook-Anwendungen verschwanden bisher immer schnell im Datenstrom des Vergessens. Jetzt könnten sie wieder an die Oberfläche gespült werden und in Kombination mit anderen Informationen ganz schön bloßstellen.

Kuriose Beispiele für pikante Suchergebnisse kursierten schnell im Netz: Verheiratete, die Prostituierte mögen, Frauen in der Umgebung, die Bang with Friends benutzen, Unternehmen mit Mitarbeitern, welche die Konkurrenz mögen – die Liste der Peinlichkeiten ist lang. Das letzte Beispiel zeigt, dass sich die Suchen nach Personen immer auch um ein „die bei XY arbeiten“ ergänzen lässt – und so unter Umständen ein schlechtes Licht auf Unternehmen wirft.

Nicht nur auf Facebook

Ähnliche Funktionen bietet Xing übrigens schon länger an. Die Informationen sind dort vielleicht oft nicht so pikant, aber es ist auch jetzt schon ohne Probleme möglich, sich leitende Angestellte eines Unternehmens anzeigen zu lassen, die eine neue Herausforderung suchen oder skurrilen Interessen nachgehen.

Und selbst dann, wenn Mitarbeiter sehr zurückhaltend mit Profilinformationen und Mitteilungen sind, können sie je nach Branche und Position auf speziellen Bewertungsportalen wie whofinance.de oder meinchef.de mit Namen und Unternehmen genannt und bewertet werden.

Zumindest die selbst verursachten Peinlichkeiten, sollten schleunigst aus der Netz-Vita entfernt werden, bevor andere sie zu Tage fördern. Für Facebook bietet sich dafür die App simple wash an. Aber übertreiben Sie’s nicht: 100 % stromlinienförmige, politisch korrekte und jugendfreie Profile sind auch nicht die Lösung. Im schlimmsten Fall wirken sie unecht oder verdächtig. Mindestens jedoch langweilig und wenig sympathisch. So wird aus den USA (wo der Check des Facebook-Profils von Bewerbern üblich ist) bereits berichtet, dass ein lupenreines Profil schon wieder eine Grund für eine Ablehnung sei. Denn …

2. Die Trennung von Privat und Business bröckelt

Das hat drei Gründe.

Der erste Grund liegt in der Technik: Auch wer sein Facebook-Profil rein privat nutzen möchte und keine Verbindung zu seinem Job wünscht, wird sich früher oder später mit Kollegen befreunden. Facebook analysiert das Interaktionsverhalten und kommt irgendwann zu dem Schluss: Der arbeitet auch da. Daneben lassen Check-ins bei Google- oder Facebook-Places sowie bei Foursquare je nach Uhrzeit und Frequenz solche Schlüsse zu. Schließlich wird irgendwann eine datengierige und gleichzeitig mitteilsame App installiert und schon fliegt die sorgsam gepflegte Tarnung auf.

Der zweite Grund ist philosophisch: Der Wunsch nach Sichtbarkeit führt zu Sichtbarkeit. Heißt: Menschen benutzen ihren richtigen Namen in Netzwerken, stehen auf Unternehmenswebsites, publizieren unter ihrem Namen für ihr Unternehmen und tragen bei LinkedIn, Twitter, Google+, XING und Facebook ihre jeweils anderen Profile, Websites und Blogs ein.

Der dritte Grund ist Trägheit: Es wird mit zunehmender Webnutzung schlicht anstrengend, ein digitales Doppelleben zu führen. Irgendwann fehlen die Zeit und die Konzentration, Kontakte sauber in Kreise, Listen und Tags zu sortieren und bei jedem Post abzuwägen, ob er eher etwas für die private oder die geschäftliche Identität ist.

Hausaufgaben für Unternehmer

Ungeschickte Formulierungen, Bilder und Videos zum Fremdschämen, unpassende Likes, Check-ins bei der Konkurrenz, pikante Apps – all das schadet künftig also nicht nur der eigenen Reputation, sondern auch der eines Unternehmens. Besser, Sie stellen sich und Ihr Team darauf ein.

Dafür gibt es allerdings keine fertige Checkliste. Social-Media-Verbote für Mitarbeiter sind so unsinnig und praxisfern, wie eine totale Online-Überwachung. Ein guter Anfang sind sicher Social-Media-Guidelines. Auch Schulungen und Unterstützung insbesondere für Führungskräfte sind sinnvoll. Aber bevor diese Aufgaben jetzt an ein Social-Media-Team delegiert oder der HR-Abteilung aufgebrummt werden, sollte sich die Unternehmensleitung einige grundlegende Fragen beantworten:

  • Welche Kultur wollen wir nach außen zeigen?
  • Wie „corporate“ oder wie divers sollen unsere Mitarbeiter wahrgenommen werden?Welche Grundwerte sind uns besonders wichtig?
  • Gibt es persönliche Standpunkte, die nicht mit unserem Selbstverständnis vereinbar sind?
  • Wie schützen wir die Privatsphäre unserer Mitarbeiter?

Solange ein Mitarbeiter nicht eklatant gegen eine der bei diesen Überlegungen aufgestellten Richtlinien verstößt, sollten Sie seine privaten Netz-Aktivitäten jedoch genau das bleiben lassen, was sie sind: Privatsache.

Quellen