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Die Kraft der Sprache

Unglaublich, was Sprache alles kann. Mit ihr können wir bitten, beten, flehen, verletzen, drohen, manipulieren, überreden, versprechen, schmeicheln, loben, grüßen ... Die Liste ist lang. Manche gehen sogar so weit und sagen, dass wir durch Sprache überhaupt erst unsere Realität schaffen.

Und obwohl Sprache so viel Macht hat, denken wir selten darüber nach, was und wie wir etwas sagen. Sprache ist für viele von uns selbstverständlich. Von der Natur war das aber so nicht vorgesehen.

Sprache ist Luxus

Rein biologisch betrachtet besteht für uns kein Grund, uns detailliert und ausgiebig auszutauschen. Ein leichtes Grunzen würde reichen, um Freunde vor Feinden zu warnen. Klappt auch im Tierreich ganz hervorragend. Warum sprechen wir dann miteinander? Wo es doch purer Luxus ist und für unser Hirn zudem so anstrengend?

Menschen haben das Bedürfnis, sich auszudrücken. Jede sprachliche Äußerung ist der Versuch, etwas bei unserem Gegenüber zu bewirken. Wir wollen eine Reaktion erzeugen, weil wir soziale Wesen sind. Wir tun etwas mit Sprache. Das ist aber nicht immer leicht.

Sprache ist missverständlich

Sprache kann Probleme aus dem Weg räumen. Genauso gut kann sie aber auch Probleme schaffen. Besonders leicht passiert das, wenn wir den Absender nicht sehen oder hören können. Denn Tonfall und Mimik unterstreichen und betonen das Gesagte.

Zweideutigkeiten und zu viel Raum für Interpretation können uns gut unterhalten, aber auch zu einigen Missverständnissen führen. Das liegt auch an uns selbst. Denn jeder Mensch hat andere Erfahrungen gemacht, die er auf Sprache projiziert und so entschlüsselt.

Fluchen tut nicht weh

Wie kraftvoll Sprache wirklich ist, zeigt sich besonders beim Fluchen. Dann benutzen wir emotionalere Wörter, auf die unser Körper in Sekunden reagiert. Unser Herz schlägt schneller und wir kommen leichter ins Schwitzen.

Diese körperliche Reaktion hat Vorteile: Wir merken uns das Gesagte leichter. Und weil unser Körper so damit beschäftigt ist, zu reagieren, fallen ihm andere Dinge weniger auf. Schmerzen zum Beispiel. Das funktioniert aber nur, wenn man nicht tagtäglich inflationär viel flucht. Denn dann wird der Effekt abgeschwächt.

Sprache ist malerisch

Mit Wörtern Bilder malen. Das machen wir öfter als gedacht. Und oft wird unsere Haltung zu einem Thema so deutlicher, als uns zunächst bewusst ist. Schnell ersetzt eine einzige Metapher komplette Argumentationsketten. Wer sich zum „Tsunami an Flüchtlingen“ äußert, lässt also tief blicken. Schließlich ist ein Tsunami etwas überaus Bedrohliches. Diese Assoziation überträgt sich direkt auf den Rest der Metapher. Mehr zu der Macht der Metaphern lesen Sie hier.

Sag’s noch einmal, Sam

„Schon wieder diese Werbung!“ Damit eine Werbebotschaft hängen bleibt, müssen wir sie meist häufiger sehen oder hören. Wiederholung fördert die Erinnerung. Wiederholung macht aber noch viel mehr. Sie schafft Vertrauen.

Heinrich von Kleist sagte einst: „Was man dem Volk dreimal sagt, hält es für wahr“. Eine Aussage, die durch Studien gestützt wird. Je vertrauter uns eine Aussage ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie für richtig halten.

Blumige Täuschungen

Manchmal ist die Wahrheit unschön und unbequem. Dennoch muss sie gesagt werden. Wie machen wir das, ohne unser Gegenüber zu verschrecken?

Euphemismen sind das Stilmittel der Wahl. Sie sind die Filmkulissen unter den Stilmitteln: schön anzusehen, bis man sie durchschaut und die bittere Wahrheit erblickt. Es sind Worte wie „Langlebigkeitsrisiko“ und „Sozialtourismus“. Schließlich ist Tourismus auf den ersten Blick doch nett – eine kleine Reise, warum nicht? Wir müssen erst lernen, was das zunächst nicht unbedingt negative Wort tatsächlich bedeutet.

Geplante Verwirrung

Einige Euphemismen schaffen durch ihre schiere Länge aber noch mehr. Ein Beispiel ist das Wort „Flächenneuinanspruchnahme“. Dieses Wortungeheuer müssen wir uns langsam auf der Zunge zergehen lassen, bis wir daraus schlau werden.

Diese Verwirrung können wir uns wie auch bei Floskeln, Fachjargon und Schachtelsätzen zunutze machen. Besonders Politiker tun das gerne. Studien haben ergeben, dass sie negative Nachrichten oftmals in besonders umständliche und komplexe Sätze verpacken. Das lenkt ab und hetzt nicht direkt auf. Positive Botschaften werden kurz und knackig verbreitet.

Fazit

Sprache ist kraftvoll. Das sieht man bereits an den wenigen genannten Stilmitteln. Dabei sind Stilmittel und Tonfall nur die halbe Miete. Es kommt auch immer auf die Situationen an, in denen wir kommunizieren. Dieses Gespür muss sich entwickeln. Wann ist es angebracht, kurz und knapp auf den Punkt zu kommen? Wann darf es länger, komplexer und blumiger werden? Je nach Produkt, Zielgruppe oder Umgebung muss Sprache angepasst werden.

„One size fits all“ gibt es hier nicht. Gut, dass bei New Communication gleich mehrere Agenten arbeiten, die für Sie zielsicher die passenden Worte finden.


Quellen
Eicher, Hans. Die verblüffende Macht der Sprache, Springer Gabler. Wiesbaden 2015
Schwarz-Friesel, Monika. Sprache und Emotion, A.Francke Verlag. Tübingen. 2013
zeit.de