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Die Zukunft unabhängiger Händler

Was sich seit Jahren in den Innenstädten deutscher Klein- und Mittelstädte abspielt, passiert auch langsam im Internet. Kleine unabhängige Händler geraten immer stärker unter Druck – und an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit.

Im Kampf um den besten Preis, die schnellste Lieferung oder den bequemsten Einkauf können sie selten den Standard der Branchengrößen bieten. Mit einer App, hinterlegten Zahlungsdaten, perfekter und schneller Logistik sowie Hunderten Kundenrezensionen und Vergleichsprodukten sorgen die großen Händler für einen schnellen und angenehmen Einkauf.

Das gewünschte Produkt ist meist nur 1 Klick entfernt. Warum sollten sich Neukunden also noch einem langwierigen Anmeldungsprozess unterwerfen? Oder den Weg zu einem kleinen Händler auf sich nehmen in ein Gewerbegebiet vor den Toren der Stadt?

Welches Mittel hilft gegen 1-Click-Bestellungen?

Darüber zermartern sich nicht nur deutsche Händler seit Jahren den Kopf. Dieses Problem-Bewusstsein ist mittlerweile ganz oben angekommen. Der weltweit größte stationäre Einzelhändler Walmart fährt den meisten Teil seines Umsatzes aktuell noch analog ein. Doch auch er sieht sich mit einem immer breiteren digitalen Angebot konfrontiert.

Durch den Markteintritt der Labels Fresh und Flex greift Amazon direkt in das Kerngeschäft des US-Einzelhändlers ein. Amazon ist in den USA zu einem Synonym für den Online-Handel geworden. Und bedroht damit nicht nur die Stellung der Händler.

Auch der Suchmaschinen-Gigant Google sieht sich in seiner Domäne gefährdet. Aktuell besitzen mehr als 1/3 aller Amerikaner eine Amazon-Prime-Mitgliedschaft. Produktsuchen starten immer häufiger bei Amazon selbst statt in einer Suchmaschine. Die Händler, die Amazon nicht direkt beliefern oder kooperieren, existieren nicht mehr für diese Art von Suchanfragen. Walmart und Google suchen ihr Heil in einer Kooperation und dem Aufbau einer wohl ebenso einflussreichen Marktmacht.

Auswirkungen auf deutsche Händler

Erst einmal sind keine direkten Folgen zu befürchten. Denn dieses Bündnis betrifft vornehmlich den US-Markt. Trotzdem verdeutlicht diese Allianz zweier Branchenführer, welche Tragweite das Thema mittlerweile erlangt hat.

Wege gegen die Übermacht der Online-Riesen

Das Gebot der Stunde lautet: partizipieren. Der hiesige Händler bietet seine Waren einfach selbst im Marketplace von Amazon an. So steigert er seine potenzielle Reichweite.

Die Kehrseite: Er tritt in direkten Preiskampf mit anderen gelisteten Händler. Dabei gibt er bis zu 20 % seiner Marge als Verkaufsprovision ab.

Die mögliche Folge: ein deutlicher Margenverzicht und gleichzeitige Optimierung der eigenen Logistik. Denn um den Standards der Wettbewerber entgegnen zu können, brauchen Händler eine deutlich höhere Absatzmenge. Nur so können sie diese Kosten auffangen. Ob das unter den gegebenen Vorzeichen (Plattform-Neueinsteiger und starke interne Konkurrenz) gelingt, ist fraglich.

Digitale lokale Marktplätze als Online-Präsenz für stationäre Händler?

Ganze Kleinstädte oder Händler-Gemeinschaften organisieren ihren eigenen Online-Marktplatz bei Plattformen wie Localfox oder Atalanda. Im Prinzip läuft alles genauso wie bei Amazon. Nur der Fokus liegt ausschließlich auf lokalen Anbietern und Produkten. Wer in der gleichen Stadt oder Umgebung wie der Händler wohnt und bis zu einer bestimmten Uhrzeit bestellt, bekommt sein Paket oftmals noch am selben Tag.

Ob die simple Übertragung des stationären Geschäftsmodells in die digitale Welt langfristig erfolgreich ist, darf bezweifelt werden. Es gibt einfach zu wenige nicht substituierbare Produkte, die ein solches Geschäftsmodell schützen. Sie garantieren dem Anbieter eine solide Preispolitik.

Manch einer hofft, durch den Online-Verkauf regionaler Erzeugnisse eine Nische zu besetzen, die von den großen Anbietern ausgelassen wird. Doch Amazon bietet über die Rubrik Lieblingsläden längst ein breites Sortiment an Feinkost-Produkten an. Noch funktioniert dies nicht in jedem Landstrich, doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Die Neuentdeckung des stationären Geschäfts

Wenn der Kampf um Online-Marktanteile verloren scheint, soll ein klassischer Laden der Ausweg sein? Eine persönliche und fundierte Beratung gepaart mit einigen digitalen Kompetenzen soll der Rettungsanker sein?

Das klingt absurd, hat im Falle der großen US-Warenhäuser aber bestens geklappt. Ende des letzten Jahrzehnts befanden sich Kaufhäuser wie Macy´s kurz vor der Insolvenz. Sie haben viel riskiert, stehen heute aber wieder glänzend dar. In Bezug auf ihre Digitalisierung gelten sie als führend.

In den sogenannten Digital-in-Stores wurden diverse Varianten von Touchscreens und Terminals samt WLAN installiert. Gleichzeitig wurden die Verkaufsflächen drastisch reduziert. Das spart Kosten. Natürlich dient dieses Konzept nicht als Blaupause für jeden Schuhladen in einer innerstädtischen 1-b-Lage. Trotzdem zeigt es: Eine digitale Transformation kann gelingen – mit harten Einschnitten, guten Ideen und einem hohen Investitionsrisiko.

Unbequeme Fragen können die Wende bringen

Dennoch müssen sich kleine Händler die Frage nach der eigenen Daseins-Berechtigung stellen. Was genau an ihrem Angebot rechtfertigt, dass der Kunde im Shop einkauft oder im Laden vorbeischaut und die Ware abholt? Egal ob Hersteller, Online-Händler oder stationärer Anbieter: Man braucht wirklich gute Ideen, um die Kunden zu überzeugen und aus ihrer 1-Click-Komfortzone zu locken. Standardisierte Lösungswege und sichere Erfolgsfaktoren existieren nicht mehr.

Wenn es einen Grund für Amazons Erfolg gibt, dann sicherlich diesen: Dem Unternehmen ist es gelungen, dem Kunden den gesamten Einkaufsvorgang so schnell und einfach wie möglich zu machen. Ein Grundgedanke, den jeder Händler schnellstens in seine strategische Planung aufnehmen sollte. Denn überholte Geschäftsmodelle lasse sich irgendwann nicht mehr retten. Guter Rat ist dann teuer – und leider nicht per 1-Click und Same-Day-Delivery zu haben.

Quellen:

handelsjournal.de

etailment.de/startups

de.statista.com

zeit.de

etailment.de/Lokaler-Marktplatz-Atalanda

internethandel.de