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„Digital Olympics“: der digitale Quantensprung von Peking 2008 nach London 2012

Können Sie sich noch an die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking erinnern? Wie haben Sie die Spiele und Ergebnisse verfolgt? Welcher Athlet ist Ihnen besonders aufgefallen? Haben Sie sich mit Freunden oder Bekannten über die Ereignisse ausgetauscht? Vermutlich haben Sie nicht allzu viele konkrete Erinnerungen  an die vergangenen Spiele. Denn  die Veränderungen in der digitalen Welt, die die Londoner Sommerspiele 2012 zu etwas Besonderem gemacht haben, steckten 2008 noch in den Kinderschuhen.

Die folgenden Kennzahlen spiegeln den „digitalen Quantensprung“ sehr gut wieder:

Im Vergleich zu 2008 ist die Zahl der Zuschauer kaum angestiegen. Sie beträgt nach wie vor fast 70 % der Weltbevölkerung. Im Gegensatz dazu haben sich die Stunden der Berichterstattung jedoch mehr als verdoppelt (von 2.500 Stunden in 2008 auf 5.530 Stunden in 2012). Diese Verdopplung ist auf die Live Streams zurückzuführen, die dieses Jahr zum ersten Mal im Rahmen der Olympischen Spiele verwendet wurden.

Ein Drittel der Zuschauer  nutzen ihre mobilen Endgeräte oder den Laptop, um sich mit verwandten Inhalten zu beschäftigen, während sie vor dem Fernseher sitzen.

Yahoo untermauert diese Aussage über das Nutzungsverhalten mit der in 2011 selbst angelegten Studie. Befragt wurden 8.384 US-Bürger  im Alter von 13 bis 64. 5.313 davon sind mobile Internet Nutzer. Von diesen 5313 gaben 86 % an, dass sie während des Fernsehens auch im Internet unterwegs sind. 33 % benutzen mobile Apps, 37 % durchforsten das Internet ohne speziell nach verwandten Inhalten zu suchen, 40 % sind in sozialen Netzwerken unterwegs und 56 % schreiben mit ihren Freunden oder der Familie.

Erkennen Sie sich in diesem abendlichen Olympia-Schauverhalten wieder? Auf mich zumindest treffen die Studienergebnisse sehr gut zu: Während ich mir nach Feierabend die Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse anschaue, gucke ich gleichzeitig über die mobile App, welche Wettkämpfe heute Abend noch laufen und poste daraufhin bei Facebook ein „Go for Gold Usain!“.

Die folgenden Zahlen sagen noch viel mehr über die Verbreitung der Spiele im sozialen und mobilen Web aus:

Zum Zeitpunkt der Pekinger Spiele war das iPhone gerade erst auf dem Markt erschienen und war nahezu das einzige seiner Art. Somit gab es 2008 nur 18,9 Mio. Smartphone-Nutzer, 2012 sind es schon 106,7 Millionen – ein Anstieg von 465 %! Das iPad existierte 2008 noch nicht einmal, zählt aber mittlerweile 54,8 Mio. Nutzer.

Seit Peking 2008 wuchs die Anzahl der Facebook-Mitglieder von 90 auf über 900 Millionen (901 %), Twitter erzielte einen noch rasanteren Anstieg, von weniger als einem auf 300 Millionen Accounts – ein exponentielles Wachstum von 29.900 %! Die Tweets pro Tag stiegen von 1,1 auf 140 Mio. (12.627 %).

Diese Zahlen verdeutlichen, wie rasant sich das soziale und mobile Web entwickelt haben und welche Bedeutung es unter anderem auch für sportliche Großveranstaltungen hat. Daraus ergeben sich für die Veranstalter und Athleten vorher nicht da gewesene Vorteile:

Mehr Reichweite

Die Spiele erreichen eine höhere Reichweite durch ein höheres Datenvolumen – durch die schon genannten Streaming-Technologien und nicht zuletzt durch die Zuschauer selbst. Die Live Streams ermöglichen es jedem Nutzer zu jeder Zeit an jedem Ort von seinem Laptop oder mobilen Endgeräten auf diese Streams zuzugreifen. Das führt zu einer enormen Steigerung der Reichweite. Die Zuschauer  fungieren als „Content-Creator“, sobald sie in Blogs über die Spiele berichten oder Fotos, Videos und Meldungen via Twitter, Facebook oder Instagram teilen.

Höhere Einschaltquoten

Eine gefühlte Partizipation führt zu höheren Einschaltquoten. Sei es nun den einzelnen Athleten mit einem „Kopf Hoch“-Post auf seiner Pinnwand aufzubauen, den Organisatoren lobende Worte zu schenken oder aber (wie bei der Abschlusszeremonie geschehen) den ZDF-Moderatoren den Mund zu verbieten. Per Social Web kann jeder seine Meinung an den entsprechenden Adressaten richten und hat zumindest das Gefühl, erhört zu werden. Diese verstärkte Identifikation mit dem gesamten Geschehen führt letztendlich auch zu höheren Einschaltquoten.

Gesteigerter Markenwert

Der Markenwert der Athleten und demnach auch ihrer Sponsoren wird gesteigert. Die Athleten nutzen Facebook und Twitter während der Olympischen Spiele wie noch nie zuvor. Sie posten Videos von Trainingseinheiten zur Vorbereitung, geben Statusmeldungen nach einer Niederlage raus oder lassen sich nach einem Sieg feiern. Belohnt wird diese Offenherzigkeit durch Likes, Aufmunterungen, Glückwünsche und zahlreiche neue Fans. In der ersten Woche soll beispielsweise die Phrase „Good Luck“ nach Angaben des Kurznachrichtendienstes Twitter mehr als 1,2 Millionen Mal „gezwitschert“ worden sein. So entsteht eine tiefere und innigere Beziehung zwischen Athleten und Fans. Diese färbt zwangsweise auch automatisch auf die Marken ab, die die Athleten sponsern.

Klingt also nach einer Win-win-win-win-Situation für Veranstalter, Athleten, Zuschauer und Sponsoren. Aber den größten Gewinner darf man an dieser Stelle nicht vergessen: Dies sind immer noch die Netzwerke selbst.

Ob sich diese Veränderungen auch auf die Paralympics, die vom  29. August bis 09. September ebenfalls in London stattfinden, auswirken und ihnen zu einer ähnlich starken Verbreitung verhelfen, bleibt abzuwarten. Zumindest prozentual betrachtet dürfte die digitale Teilnahme der Zuschauer, Sportler und Sendeanstalten auch hier positive Auswirkungen haben. Ich jedenfalls würde es begrüßen.

Quellen:
  • www.advertising.yahoo.com/article/the-role-of-mobile-devices-in-shopping-process.html
  • www.faz.net/aktuell/sport/olympia-2012/olympia-auf-social-media-das-virtuelle-dorf-11850226.html
  • www.nesta.org.uk/publications/assets/features/social_media_at_scale_and_london_2012