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Fotografische Trends 2015

Die Fotografie boomt und boomt: In den 30er Jahren des vergangenen Jahrtausends wurden etwa 1 Milliarde Bilder pro Jahr aufgenommen, um die Jahrtausendwende waren es bereits 86 Milliarden Bilder und 2014 sind wir bei 880 Milliarden Bilder angelangt.

Auf Plattformen wie Facebook oder Instagram bekommt man schnell das Gefühl, dass dies vor allem an den allgegenwärtigen Selfies liegt. Diese sind jedoch nur einer von mehreren aktuellen Trends in der Fotografie. Betrachtet man sie näher, sollte man die Aufnahmearten und -medien vom eigentlichen Bildinhalt trennen.

So ist trotz aller Qualitätssprünge in der mobilen Fotografie und dem von Nikon neu eröffneten und auch von Canon aufgegriffenen Megapixel-Rennen eine Sehnsucht nach der Unperfektheit festzustellen. Zentrales Element beliebter Photoshop-Erweiterungen wie Googles Nik-Filter oder Exposure ist das Simulieren analoger Filme bis hin zu Kratzern und Staub. Den Kern von Instagram bilden die zahlreichen Retro-Filter, mit denen sich die Fotos individuell „verschlechtern“ lassen. Auch die analoge Fotografie erlebt eine Renaissance. Bei eBay steigt der Absatz analoger Kameras um 30 Prozent pro Quartal und Impossible war bei der Wiederbelebung der Polaroid-Sofortbildfilme so erfolgreich, dass nicht nur Fuji mit Instax auf den Zug aufgesprungen ist, sondern Polaroid selbst inzwischen wieder Sofortbildkameras herstellt. Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, dass Polaroids aktuelle Socialmatic-Kamera fast genauso aussieht wie das Instagram-Logo. Für die analoge Fotografie spricht die Einzigartigkeit des einzelnen Bildes im Gegensatz zur beliebigen digitalen Vervielfältigung. Auch ist der Aufnahmeprozess deutlich entschleunigt. Dies kann in der digitalen Welt aber inzwischen simuliert werden: Die App „1-Hour-Photo“ verwandelt das Smartphone in eine Schwarz-Weiß-Kamera, die das Bild erst nach einer einstündigen „Entwicklungszeit“ anzeigt.

Einen weiteren wichtigen Trend in der digitalen Fotografie sieht etwa die Deutsche Handwerks Zeitung in den Wearables. Spannend werden holografische Displays. Sie bieten neben Gaming-Möglichkeiten tatsächlichen Anwendungsnutzen in Forschung und Entwicklung, wie Microsoft eindrucksvoll in diesem Video darstellt.

Kurzvideos bleiben ein heißer Trend im Netz, wie auch der Erfolg der Plattform Vine zeigt. Auf ihr wird eine Zwitterform aus Stand- und Bewegtbildern gezeigt, die beeindruckende Möglichkeiten entfaltet: Die Cinemagraphs sind eine Weiterentwicklung der GIF-Animation, die mancher sicher noch aus den Anfängen des Internets in Erinnerung hat. Inzwischen werden damit aber nicht pixelige Icons oder Logos animiert, sondern nur bestimmte Teile einer Fotografie – z.B. eine Haarsträhne im imaginären Wind eines ansonsten regungslosen Models oder eine Flüssigkeit, die aus einer Flasche in ein Glas läuft, in einem sonst vollkommen bewegungslosen Bild.

Auf den ersten Blick glaubt man mit dem Cinemagraph ein normales Bild zu betrachten, das dann doch überrascht: das Foto, das sich bewegt. Dazu hebelt es die deaktivierte Autoplay-Funktion bei Facebook-Videos aus: Weil es „nur“ ein Bild ist, kann das Abspielen nicht unterbunden werden.

Der eigene Look von Instagram schlägt sich direkt auf das Bild und seinen Inhalt nieder. Laut einer Analyse des Stockfoto-Anbieters Shutterstock sind Bilder im Instagram-Stil derzeit am meisten gefragt.

Passend dazu haben die Suchanfragen nach unscharfen Hintergründen, ob tatsächlich unscharf oder mit geringer Tiefenschärfe – dem Bokeh – fotografiert, mit 144 Prozent signifikant zugenommen. Vermehrt wird dabei auch nach ungewöhnlichen Perspektiven gesucht.

Die bewusste Suche nach der Imperfektion, die blickfangende Teil-Animation von Bildern, Bokeh und ungewöhnliche Perspektiven zeigen deutlich, was der wichtigste Fotografie-Trend sein wird: Versuche zu gestalten, sich aus der Masse hervorzuheben, um nicht im Bildrauschen unterzugehen. Die meisten Menschen schießen ihre Bilder aus Augenhöhe, so also, wie wir die Welt im Alltag wahrnehmen. Dazu werden meist Smartphones oder andere billige Kameras benutzt, die zwar lupenreine Bilder bieten, aber schon durch physikalische Beschränkungen nicht so mit Tiefenunschärfe spielen können wie professionelle Kameras.

 

Quellen:

www.buzzfeed.com

Page, 02.2015, S. 22

Berliner Zeitung vom 13.03.2015

Deutsche Handwerkszeitung vom 17.12.2014

W&V, 27.01.2015