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Generative Gestaltung – wenn der Algorithmus zum Designer wird

Sie begann Ende der 90er Jahre als Experiment grafisch ambitionierter Informatiker, blieb lange ein Geheimtipp in der Medienkunstszene und hat sich inzwischen zu einem eigenen Trend im Grafikdesign entwickelt: die generative Gestaltung. Darunter versteht man visuelle Werke, die ohne herkömmliche Grafikprogramme nur durch den Einsatz von Algorithmen erzeugt werden. Formen, Farben, Typografie und Bildelemente werden ausschließlich über numerische Parameter angelegt und gesteuert.

Allein die Art der Rechenvorschrift beeinflusst das Resultat – ein Resultat in Bewegung. Denn aus Linien und Flächen werden rasch räumliche Körper, die sich laufend weiterentwickeln. Werden ihnen dann noch kinetische Attribute zugewiesen, fügt sich die Zeit als vierte Dimension und weiterer Designfaktor in das generative Gestaltungskonzept. Hinzu kommt eine Auswahl möglicher reaktiver oder interaktiver Eigenschaften. Mit der Integration verschiedener Medienformen (Foto, Bewegtbild und Ton) wird das Objekt zur multimedialen Installation.

Generative Gestaltung bewegt sich zwischen der gezielt ergebnisorientierten Optimierung von Parametern und einer experimentellen Herangehensweise, bei der der Zufall oder ein Programmierfehler für überraschende und teilweise völlig unvorhergesehene Ergebnisse sorgt. Neben dem rein dekorativen Einsatz solcher Grafiken finden sie wegen der automatisierbaren Datenverarbeitung bevorzugt Anwendung im Informationsdesign. So beobachten wir aktuell erste Corporate Designs, die auf Basis dieser Technik entstanden sind.

Die Bandbreite und Qualität der möglichen Ergebnisse hängt entscheidend von den Fähigkeiten des Operators ab. Doch ist die generative Gestaltung mehr als nur eine neue, faszinierende bildnerische Technik: Sie kann auch als Rollentausch betrachtet werden. Nutzten Designer bislang vorprogrammierte Software als (bewusst oder unbewusst einschränkendes) digitales Werkzeug, so werden sie in der generativen Gestaltung selbst zum Programmierer: Schon verschmelzen die klassischen Pole von Kunst und Wissenschaft, in der Praxis von Screendesign und Web-Entwicklung, zu einem fließenden Kontinuum.

Sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Designer in nächster Zukunft seinen Job an einen Algorithmus verliert. Absolut sicher ist dagegen, dass generative Gestaltung eine inspirierende Technik ist, die neue visuelle Welten zu erschließen vermag – sowohl absichtlich als auch zufällig.

Quelle:
  • Maeda & Media, J.Maeda, London 2000
  • Generative Gestaltung, H.Bohnacker et.al., Mainz 2009
  • PAGE, 02.2010
  • Dopplereffekt - Bilder in Kunst und Wissenschaft, Ausstellung in der Kunsthalle Kiel, 2010
  • www.processing.org
  • www.mrdoob.com/projects/harmony