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Me & my Selfie – Selbstporträts als PR-Instrument

Rio, 13. Juli 2014, 18:35 Uhr Ortszeit. Deutschland besiegt Argentinien im WM-Finale. Wenige Minuten später: Die ersten Selfies der frisch gebackenen Weltmeister sausen vom durchwühlten Rasen durch die sozialen Netze. Gierig stürzen sich die Medien auf die historischen Bilder. Spätestens nach dieser WM weiß auch Christoph Kramers Oma, was ein Selfie ist. Das Potenzial von Selbstporträts für die Marken-PR erkennen Unternehmen aber erst zögerlich.

All by my Selfie – 4 wichtige Fakten
  • Selfies macht man mit dem Smartphone: schnell, leicht und jederzeit. Laut einer Studie des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (BITKOM) knipsen sich mittlerweile rund 65 % der deutsche Bundesbürger regelmäßig selbst mit dem Mobiltelefon.
  • Selfies haben einen zufälligen Charakter: Sie sind oder wirken zumindest spontan. Das macht sie echt. Und sollte einmal das Licht aus der falschen Ecke kommen, greift man zum passenden App-Filter. Oder zur Sonnenbrille.
  • Selfies zeigen ihren Absender in einem räumlichen oder sozialen Kontext: Sie stellen einen Bezug zwischen dem Fotografen und seinem aktuellen Umfeld her.
  • Selfies enden nicht auf dem Handy-Speicherchip: Auf Twitter, Facebook, Instagram & Co. leben sie erst so richtig auf. Wie die BITKOM-Studie berichtet, teilen 3 von 5 Selfie-Produzenten ihre Porträts in sozialen Netzwerken.
Von Dürer bis DeGeneres

In Perfektion hat das mit den Selbstporträts schon Albrecht Dürer um 1500 vorgemacht. Heute beeindruckt – neben den technischen Entwicklungen der Handy-Fotografie – zuallererst ihre Anzahl. Jeden Tag geistern mehrere 100 Millionen neue Selfies durch das Netz.

Allerdings werden nur wenige so oft geteilt wie der aktuelle Twitter-Rekord der US-Talkerin Ellen DeGeneres. Ihr Oscar-Selfie teilten innerhalb 1 Stunde über 1,4 Millionen Menschen.

Man fragt sich: Was reizt die Menschen am Selfie? Zunächst ist es ihr zeitloses Bedürfnis, zu dokumentieren und Spuren zu hinterlassen. Dokumentation und Beweisführung liegen oft nah beieinander: Frei nach dem Motto „Seht her – ich bin hier, beim WM-Finale im Maracaná-Stadion“.

Hinzu kommt die Macht der Inszenierung. Die Absender handeln als Produzenten, Regisseure und Darsteller zugleich. Die entstandene Szene verrät, wie sie sich selbst sehen oder andere sie sehen sollen. Den Betrachtern wiederum bieten sie „Schaufenster“-Blicke mitten in ihr Leben.

Brand-Boost durch Visual Storytelling

Eine Kernaufgabe der PR ist es, Kommunikation auszulösen und die richtige Botschaft an den Mann zu bringen. Neben Bildern sind es vor allem Gesichter, auf die unser Gehirn anspringt. Selfies haben damit die beste Chancen, dass unsere Aufmerksamkeit an ihnen hängen bleibt. Die Bilder erzählen von einem Augenblick im Leben ihres Autors. Für den Frontback-Gründer Fréderic della Feille steht daher fest: „It’s much more of a moment and a story than a photo“. Jeder Selfie-Fotograf wird also zum Visual Storyteller. Wie man diese Geschichten wirkungsvoll in der PR nutzen kann, zeigen folgende Selfie-Kampagnen:

1. Selfies können Kommunikation anregen – weit über die Grenzen von Social Media hinaus. Das beweist unter anderem die #Beautyls-Kampagne des Pflegeprodukt-Herstellers Dove. Sie fordert Frauen auf, sich anhand ihrer Selbstporträts mit ihrer individuellen Schönheit zu beschäftigen. Dove stärkt damit sein Image als Unterstützer eines natürlichen Schönheitsideals.

2. Mit Selfies Museen unterstützen: Am 22. Januar 2014, dem International Museum Day, rief eine englische Blogger-Gruppe weltweit dazu auf, ihre Selbstporträt-Schnappschüsse in Museen mit dem Hashtag #MuseumSelfie zu teilen. Die Aktion sorgte für unterhaltsames Bildmaterial und ganz nebenbei für steigende Besucherzahlen.

3. Wie man mit Hilfe von Selfies Marken-Erlebnisse kommunizieren kann, zeigt die Aktion des amerikanischen Fastfood-Anbieters Dunkin‘ Donuts: Fans sollten ihren Lieblings-Moment mit Produkten des Unternehmens in einem Selfie festhalten. Tausende von Mini-Liebesgeschichten entstanden. Neben der Abbildung auf Facebook konnte man sie auch auf der digitalen Werbetafel von DD auf dem Time Square bewundern.

Diese Praxisbeispiele zeigen, welche unterschiedlichen Möglichkeiten Selfies insbesondere für die Marken-PR bieten. Sie greifen die „Faszination Selbstporträt“ auf, die in uns Menschen schlummert. Ob im TV, in Zeitschriften oder online: Kreativ angelegt und strategisch durchdacht sorgen die Bilder für den passenden medialen Gesprächsstoff. Und für weltmeisterlichen PR-Erfolg.

Quellen:

BITKOM Selfie-Studie, Juni 2014
Jenna Wortham (2013): My Selfie, Myself, in: New York Times, 19.10.2013
Pamela Rutledge (2013): Branding with Selfies, in: Psychology Today