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Public Relations: das Sommer(schlupf)loch

Langsam schmilzt die cremig gelbe Masse den Holzstil hinab. Das Telefon schweigt – überwiegend. Nur der Ventilator in der Ecke des Büros schnurrt, seinen Hals nach links und rechts wendend. Während die ersten Postkarten des Jahres samt Texten aus dem letzten auf die Schreibtische flattern, entdecken wir in den Medien ein wiederkehrendes Phänomen: das Sommerloch.

Sommerloch, das: Woran man es erkennt

Aus den Untiefen des Sommerlochs treten sie nun ins helle Sonnenlicht: Die Stars der Tierwelt beherrschen die Schlagzeilen. Ob Bruno, seines Zeichens Problembär, Yvonne, die flüchtige Kuh, oder Hugo (nein, nicht das In-Getränk), der Killerwels. Sie alle springen in die Bresche, wenn in den nachrichtenarmen Sommermonaten Zeitungsseiten und Sendezeiten gefüllt werden müssen. „Silly season“ lautet dementsprechend der englische Begriff für Sommerloch. In dieser Zeit wird das, was den „Nachrichtenwert“ einer Geschichte ausmacht, neu definiert. Eine günstige Gelegenheit, die in PR-Abteilungen häufiger genutzt werden könnte.

Das Sommerloch als Schlupfloch in die Medien

Trotz Hitze also kein Grund, in klebrigen Phlegmatismus zu verfallen. Die folgenden sechs Aspekte zeigen, was gerade das Sommerloch zur attraktiven PR-Saison macht:

1. Angebot und Nachfrage stehen in einem für die PR selten günstigen Verhältnis: Der Nachrichtenumsatz der Presseagenturen wird weniger, die Redaktionen brauchen Material. Dementsprechend gute Chancen bieten sich für die Veröffentlichung von Meldungen mit etwas geringerem Nachrichtenwert. Insbesondere Tages- und Wochenzeitungen betrifft diese äußerst rare Konstellation. Während monatlich erscheinende Fachmagazine ihre Themen langfristig vorbereiten, berichten tagesaktuelle Medien im Sommer unter verschärften Bedingungen. Wer seine Meldungen hier unterbringen möchte, hat in der Sommerzeit also durchaus bessere Karten.

2. Frischer Wind weht nicht nur den urlaubenden Chefredakteuren um die Nase. In den Redaktionen wandert in der Zwischenzeit ein anderes Augenpaar über den Posteingang. Prinzipiell bietet dies die Aussicht darauf, dass Pressemitteilungen gelesen werden, die sonst Opfer der „Entf“-Taste geworden wären. Einen Versuch, durch dieses Schlupfloch in das Wunschmedium zu gelangen, ist es jedenfalls wert.

3. Im World Wide Web ist das Sommerloch fast ausgerottet. Weil wir auch im Strandkorb auf Mallorca die Finger nicht vom Touchpad lassen können, ist das Sommerloch in der vernetzen Welt maximal ein Funkloch. Gerade deshalb ist es angebracht, in dieser Zeit verstärkt auf Online-Kommunikation zu setzen. Facebook, Twitter & Co. sollten in dieser Zeit ebenso wenig vernachlässigt werden, wie Online-Presseportale oder gar die eigene Website.

4. Sommer, Sonne, gute Laune. Das Sommerloch findet in der schönsten Zeit des Jahres statt. In diesen Monaten sind wir, statistisch belegt, am besten drauf. Wir sind aktiver und haben die häufigsten Face-to-face-Kontakte. Themen aus den Bereichen Sport, Freizeit, Dating oder Reise interessieren in dieser Zeit besonders. Getränke-Hersteller haben Hochsaison und Experimentierfreude macht sich auf den Tellern breit. Diese angeregte Sommerlaune lässt sich für vielfältige PR-Aktionen und Kampagnen aufgreifen.

5. Alle Jahre wieder: Das Sommerloch ist planbar. Dementsprechend bietet es sich an, Kooperationen langfristig vorzubereiten. Beispielsweise liefern tiefergehende Porträts und Serien eine hervorragende Möglichkeit, facettenreich zu berichten und gezielt Imagewerte zu verstärken. Auch wenn er oft auf sich warten lässt, der nächste Sommer kommt bestimmt.

6. Die erste Jahreshälfte ist vorbei. Die „Sauregurkenzeit“ eignet sich daher in der PR auch für Konzeptions- und Strategiearbeit. Bisherige Aktionen können ausgewertet, künftige geplant werden. Es schadet auch nicht, in dieser Zeit die Kontaktpflege zu ausgewählten Medienvertretern zu intensivieren. Auf dem einen oder anderen Sommerfest lassen sich bei Gesprächen rund um ein Kaltgetränk schnell gemeinsame Themen finden.

Damit PR-Aktivitäten vom Sommerloch profitieren, bleiben dennoch wichtige Punkte zu berücksichtigen. Trotz guter Stimmung und erhöhter Wahrscheinlichkeit zur Veröffentlichung bleiben Textqualität und eine stimmige Konzeption grundlegende Erfolgs-Maßstäbe.

Mein Fazit: Das Sommerloch ist keine per se unbrauchbare Zeit für die PR. „Carpe aestatem“ lautet hingegen das Motto: Nutze den Sommer als Schlupfloch in die Medien. Die überraschend guten Bedingungen bieten sich auf unterschiedliche Weise an, gesteckte PR-Ziele zu verwirklichen. Nutzen sollte man die Sommerzeit in jedem Fall aber auch so: Drehen Sie den Ventilator auf und lassen Sie sich das Eis schmecken – wem schadet schon ein wenig Siesta?

Quellen:

Frank Littek (2012): Storytelling in der PR. Wie sie die Macht der Geschichten für ihre Pressearbeit nutzen.

Melanie Tamblé: Tipps für das Sommerloch, unter www.prpraxis.de