Werbeagentur für Corporate Design, Online Marketing, Kommunikation, Employer Branding

Public Relations reloaded

Das Internet 2.0 ist großartig. Jeder kann jederzeit seine Meinung verkünden. Die Meinung anderer kommentieren. Oder sich zu Kommentaren anderer äußern. Und die ganze Welt kann es lesen. Hurra!

Derart unbegrenzte Kommunikations-Möglichkeiten sorgen allgemein für Begeisterungsstürme. Außer vielleicht bei denjenigen, die bislang die offizielle Lizenz zum Kommunizieren mit der Öffentlichkeit hatten: die Fachkräfte für Pressearbeit und PR.

Kontrollverlust für Kommunikationsbeauftragte

Noch vor einem Jahr war die Überforderung der PR-Branche durch die Macht der sozialen Netzwerke deutlich zu spüren. 2010 hielten 63 % der Unternehmens-Pressestellen und PR-Agenturen Social Media für die größte Herausforderung ihrer Branche, so der PR-Trendmonitor der dpa-Tochter news aktuell. Damit wählten sie das Web 2.0 mit großem Vorsprung auf Platz 1 ihrer anspruchsvollsten beruflichen Aufgaben. Weit dahinter lag  der eigentliche Druck der PR-Verantwortlichen, belastbare Nachweise ihres Arbeitserfolgs zu liefern.

Doch heute ist alles anders. Social Media ist gekommen, um zu bleiben. Das haben selbst die größten Web-Muffel begriffen. Auch die PR-Verantwortlichen wissen um die Macht der öffentlichen Meinungsäußerung – und wie sie mit dieser umzugehen haben. Oder etwa nicht?

Social Media bleibt größte PR-Herausforderung

Tatsächlich betrachten dieses Jahr noch mehr PR-Verantwortliche als 2010 Social Media als ihre größte Herausforderung. Das zeigt der jüngst veröffentlichte PR-Trendmonitor 2011. Demnach fühlen sich 76 % der Pressestellen und 72 % der PR-Agenturen gezwungen, klassische PR-Strategien in Frage zu stellen. Die Kommunikation über die Zwischenstation Presse ist zwar notwendig, reicht aber nicht aus. Denn neben Journalisten gehören nun auch Social-Media-Influencer zu den Ansprechpartnern der PR-Verantwortlichen. Darüber hinaus müssen sie direkt in Blogs, Foren und Communities arbeiten. Und das in der jeweils angebrachten Art und Tonalität.

PR 2.0 also. Aber wie?

Die Kommunikation im Web 2.0 ist schneller und spontaner geworden. Nahezu hektisch. Umso präziser und intensiver müssen alle Maßnahmen strategisch geplant werden. Denn auch wenn das Ziel des Spiels dasselbe bleibt – die Regeln haben sich enorm geändert. In der Zeit vor den sozialen Netzwerken hatten PR-Profis Zeit, öffentliche Aussagen in Ruhe abzustimmen. Mit der Geschäftsführung, wenn nötig. Auf jeden Fall aber mit der zuständigen Fachabteilung – je nach Thema und Dringlichkeit.

Diese Zeit hat man jetzt nicht mehr. Doch wenn jede Social-Media-Interaktion eines Unternehmens, jeder einzelne Post und Kommentar erst durch einen langwierigen Freigabeprozess geschleust werden muss, dann kann dieses Unternehmen mit der Geschwindigkeit des Web 2.0 nicht mithalten.

Schnittstellen sorgen für Schnelligkeit

Marie-Christine Schindler, Inhaberin der PR-Beratung mcschindler.com, formuliert im Interview für die Expertenrunde des PR2.0-Forums sehr treffend: „Die Flut an Unternehmen, die ins Social Web drängen, wird bei den Konsumenten zu einer Ermüdung und zu Desinteresse führen. Die Kunst wird es sein, sich im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit durchzusetzen. Dies tut nicht unbedingt wer am lautesten schreit, sondern wer die sorgfältigste Aufbauarbeit leistet. […] Zurzeit versuchen die PR-Verantwortlichen noch mit aller Kraft, die ihnen gestellten Aufgaben zu bewältigen, bis im Unternehmen die Einsicht da ist, dass diese zusätzlichen Aufgaben auch zusätzliche Kapazität erfordern.“

Konkret heißt das: Schnittstellen schaffen. Im besten Fall zwischen den Kommunikationsverantwortlichen aus PR, Marketing und Vertrieb, der Rechtsabteilung, dem Kunden-Service, der HR-Abteilung und natürlich der IT. Nur so kann ein langwieriger Freigabeprozess vermieden werden – und PR in Zeiten von Social Media funktionieren.

Quellen:
  • PR-Trendmonitor 2011: „Zwischen Social Media, Apps und klassischer Pressearbeit. Wohin treibt die PR-Branche?“
  • „Neue Experten-Runde zum Status Quo `PR mit Social Media‘ – Marie-Christine Schindler“ auf espresso-digital.de