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Von Fake News und bollenden Hunden

Früher war alles besser im Land der Dichter und Denker. So die Meinung vieler Bürger und Sprachhüter. Sorgenvoll beobachten sie die vermeintliche Verwässerung der deutschen Sprache durch Anglizismen, Fremdwörter, Kiezdeutsch und Co. Sie befürchten den Verfall, wenn nicht sogar den Untergang ihrer Muttersprache. Doch wie ernst ist die Lage wirklich?

Sprache im Wandel

Früher boll der Hund und man schrob eine Schraube in ein Brett. Erst im Laufe der Zeit wurde boll zu bellte und schrob zu schraubte. Althochdeutsche Wörter wie Appel, Schipp und ik wurden zu Apfel, Schiff und ich. Laute wandelten sich. Wörter beugten sich. Starke Verben schwächelten.

Dieses Phänomen nennt sich Sprachwandel. Linguisten beobachten ihn schon seit Jahrhunderten. Denn es liegt in der Natur der Sprache, sich zu verändern.

Anglizismen als Lückenbüßer

Aus dem Englischen übernommene Wörter stopfen oft Löcher im deutschen Wortschatz. Ein Beispiel dafür ist der Begriff Fake News.

Ende des 19. Jahrhunderts bezeichneten Fake News im Englischen bewusste Falschmeldungen in Zeitungen. Ab 2000 wandelte sich ihre Bedeutung. Als Fake News galten erfundene Meldungen, mit denen Internetnutzer auf bestimmte Webseiten gelockt werden sollten. Seit November 2016 versteht man unter Fake News im Englischen politisch motivierte Falschmeldungen.

Diese sind längst auch im deutschen Sprachgebiet ein Thema. Doch genau für diese Bedeutung gibt es kein deutsches Äquivalent. Denn das deutsche Wort Falschmeldung unterscheidet nicht zwischen bewusster Täuschung und irrtümlichem Fehler. Der ins Deutsche übernommene Begriff Fake News hilft uns, den Sachverhalt präziser zu bezeichnen.

Neue Welten, neue Wörter

Jedes Ding braucht einen Namen. Denn nur was benannt werden kann, existiert. Das gilt auch für Erfindungen, Innovationen und neue Entwicklungen. Mit ihnen wächst und verändert sich unsere Sprache.

Viele technologische Neuerungen stammen aus dem englischsprachigen Ausland. Oft werden ihre Namen direkt ins Deutsche übernommen. Längst gehören Begriffe wie Dropbox, Social Media und Emoji zum Sprachgebrauch der Deutschen.  

Spiegel der Zeit

Neue Wortschöpfungen und Propagandabegriffe im Deutschen reflektieren auch den Zeitgeist – egal, wie man zu ihnen steht. Der Duden beinhaltet daher auch Begriffe wie Veggie, Selfie, Willkommenskultur, Flüchtlingskrise und Lügenpresse.

Kurz und knackig

US-Präsident Donald Trump kommuniziert am liebsten über Twitter. Der Vorteil: Die 140 Zeichen kurzen Botschaften stoßen sofort auf direkte Zustimmung oder Ablehnung. Denn die verknappte Sprache hindert viele Leser daran, den Inhalt der Trump’schen Tweets genau abzuwägen.

Generell muss im Internet schnell und verständlich kommuniziert werden. Das klappt am besten mit kurzen Sätzen und einfachem Satzbau. Facebook, Twitter, WhatsApp und andere soziale Medien beschleunigen diese Entwicklung. Experten für Textverständlichkeit empfehlen für Online-Texte eine Satzlänge von 9 Wörtern.

Schreiben, wie man spricht

Die Tendenz zu kürzeren Sätzen ist auch in der deutschen Schriftsprache sichtbar. Denn der Einfluss gesprochener auf geschriebene Sprache wächst. Seit dem 19. Jahrhundert verringert sich die Zahl der Wörter pro Satz. 1850 beinhaltete ein durchschnittlicher Satz rechnerisch 29,57 Wörter. 1960 waren es nur noch 17,91.

Selbst die Süddeutsche Zeitung schreibt heute weitaus mündlicher als noch vor 50 Jahren. Ihre Sprache wirkt damit aussdrucksstärker und nahbarer, so Linguist Beat Siebenhaar von der Universität Leipzig. Auch das ist ein Phänomen des Sprachwandels.

Sprache als Statement

Jugendliche distanzieren sich mit eigener Grammatik und Kiezdeutsch von der Sprache der Erwachsenen. Vermehrte Kontakte zu Fremdsprachen wie Türkisch, Russisch, Arabisch und Jugoslawisch sowie Großstadt-Slangs verstärken diese Entwicklung.

Begriffe wie „Isch geh Schule“, „I bims“ für „Ich bin`s“ oder der Halbsatz „von … her“ bzw. „vong … her“ spielen kreativ mit Sprache. Sie scheren sich nicht um Grammatik. Egal, ob Dativ, Genitiv oder Akkusativ. Hauptsache, man versteht einander. Ob und wieweit das sogar die Standardsprache beeinflusst, wird die Zeit zeigen.

Der Wächter der Wörter

Vor kurzem ist die 27. Auflage des Duden mit 5.000 neuen Wörtern erschienen. Das wichtigste deutsche Nachschlagewerk wird alle 3 bis 5 Jahre aktualisiert. Nur so bleibt es auf der Höhe der Zeit und dokumentiert den Wandel unserer Sprache.

Doch wer bestimmt, welche Wörter aufgenommen werden? Rund 80 Millionen Deutsche, die die Sprache tagtäglich sprechen. Und das Duden-Redaktionsteam, das ihren Sprachgebrauch genau beobachtet. Dazu analysiert es, wie häufig ein Wort in verschiedenen Textsorten genutzt wird. Zum Beispiel in Gebrauchsanweisungen, Zeitungsartikeln und Romanen. Dank digitaler Technik ist das deutlich einfacher geworden.

Diagnose: quicklebendig

Schon vor 2.000 Jahren schimpfte man über den Zustand der Sprache. Selbst Platon und Jean-Jacques Rousseau befürchteten einen Verfall der Sprache. Doch eins steht fest: Heute spricht man immer noch Deutsch. Die deutsche Sprache stirbt also nicht aus. Im Gegenteil. Der Duden wächst seit Jahrzehnten. Aktuell umfasst er 145.000 Stichwörter. Die Urfassung von 1880 beinhaltete nur 27.000 Einträge. Die Angst vor dem Tod der deutschen Sprache erweist sich damit als gegenstandslos.

Quellen

5.000 neue Wörter im Duden, svz.de

Die Regeln von morgen, süddeutsche.de

Wie verändert das Internet unsere Alltagssprache, stuttgarter-zeitung.de

Das wichtigste Wörterbuch muss relevant bleiben, süddeutsche.de

Filterblase, Selfie und Hygge kommen in den Duden, süddeutsche.de

Fake News: Anglizismus des Jahres 2016, lehrer-online.de

text-lab.de

wikipedia.de