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BarCamps - nutzergenerierte Web-2.0-Veranstaltungen im realen Raum

 

Veranstaltungen jeglicher Form und Größe gibt es in der weltweiten Medien- und IT-Szene in großer Zahl. Je nach Initiator ist ihr Rahmen jeweils ein anderer. Eher wissenschaftlich-ausgerichtete Kreise veranstalten ein Symposium, betriebswirtschaftlich-dynamische Zirkel laden zu einem (kostenpflichtigen) Forum oder Kongress ein und technisch-orientierte Strömungen halten Anwenderkreise oder Install-Partys (Stichwort Linux) ab.

Irgendwo in der Mitte trifft man sich, wenn das Wort Workshop benutzt wird. Bei all diesen Veranstaltungsformen gibt es mit Sicherheit immer einen Veranstalter, der im Vorfeld das Programm zusammenstellt, und ein Publikum, das diesem als „passiver Teilnehmer“ folgt.

Das Thema einfach selbst bestimmen

Was passiert aber, wenn auch eine reale Veranstaltung denGrundsätzen des Social Web beziehungsweise des Web 2.0 gerecht werden soll? Wenn ihr Programm als  „user generated content“ von den tatsächlichen Besuchern vor Ort (statt einer virtuellen Community) beigesteuert wird? Wenn wiederum andere Besucher auf den Inhalt reagieren und daraus unter Umständen ein völlig neues Themaerwächst, das vorher nicht absehbar war?


Wie wäre es, wenn Veranstaltungsort und -rahmen zwar gewisse räumliche und thematische Grenzen vorgeben, aber analog zu den virtuellen Internet-Communities des Web 2.0 ausreichend Freiraum für die Werte und Interaktionsformen bieten, die in sozialen Netzwerken und virtuellen Welten wie Facebook, Twitter und Co bereits gelebt werden?

Die Antwort auf alle Fragen: BarCamp

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia, selbst ein gewichtiges Exempel benutzergenerierter Inhalte, definiert ein BarCamp als „offene Tagung, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern im Tagungsverlauf selber entwickelt werden“.  Nicht mehr, aber, quasi einer Philosophie folgend und einem Mantra gleichend, auch nicht weniger. Ein BarCamp ist ein BarCamp ist ein BarCamp.
Ein BarCamp hat dabei nichts mit einer Bar zu tun ? auch wenn am realen Veranstaltungsort durchaus der eine oder andere kulinarische Exkurs stattfindet.


Der Name dieser Veranstaltungsform ist vielmehr eine Anspielung auf eine andere Veranstaltungsreihe namens FooCamp. Ihr Initiator ist Tim O’Reilly, ein Vordenker des Web 2.0. In sein FooCamp werden nur ausgewählte Personen (Friends of O’Reilly = Foo) zum Meinungsaustausch eingeladen, Übernachtung (Camping) inklusive.


An einem BarCamp kann hingegen prinzipiell jeder Interessierte ohne spezielle Einladung teilnehmen. Übernachtungsmöglichkeiten werden in der Regel privat organisiert. ?Die Teilnehmer erarbeiten die Themen des jeweiligen BarCamps gemeinsam. ?Der Namensbestandteil „Bar“ bezieht sich wie „Foo“ auf eine Variable in Computerprogrammcodes.

Auch Variablen brauchen Konstanten

Das erste BarCamp fand im August 2005 im kalifornischen Palo Alto statt. Seitdem haben sich bestimmte Charakteristikaherauskristallisiert, die sich inzwischen auch in europäischen bzw. deutschen BarCamps (z. B. 2006 in Berlin und seit 2008 in Hamburg) wiederfinden.


Ein BarCamp findet in der Regel an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt, verzeichnet etwa 100 bis 400 Interessierte und ist locker organisiert. Vorträge und Diskussionsrunden, so genannte Sessions, bilden das Herzstück. Alle Teilnehmer können grundsätzlich selbst eine Session halten oder organisieren.


Das bedeutet im Detail: Am Veranstaltungsmorgen stellen die Teilnehmer die Themen vor, zu denen sie einen Vortrag oder eine Diskussionsrunde anbieten möchten. Per Handzeichen wird von allen Teilnehmern ein erstes Feedback dazu eingeholt, ob die angebotene Session überhaupt auf Interesse stößt, und falls ja, wie stark das Interesse an diesem Thema ist.


Anhand dieser ersten Rückmeldung kann abgeschätzt werden, ob ein kleiner oder großer Vortragsraum benötigt wird. Veranstaltungsorte mit unterschiedlich großen Räumlichkeiten eignen sich daher besonders gut für die Durchführung eines BarCamps. Die weitere Session- und Raumplanung erfolgt üblicherweise auf Whiteboards, Metaplan- oder Pinnwänden und wird ebenfalls von den Teilnehmern koordiniert.


Typische Themen, die in BarCamps diskutiert werden, sind Web-2.0-Anwendungen und -Entwicklungen, Open-Source-Technologien, Social Media, Auswirkungen dieser Technologien auf die Gesellschaft und vieles mehr. Vermehrt finden auch themenspezifische BarCamps beispielsweise zu E-Learning oder Netzpolitik statt.

Ein BarCamp entsteht – überall und durch jeden

Grundsätzlich kann jeder ein BarCamp organisieren, ohne etwa eine übergeordnete Institution „um Erlaubnis“ fragen zu müssen. Alsorganisatorische Hilfsmittel bieten sich Werkzeuge aus dem Bereich der Social Software an, die das gemeinsame Arbeiten an Inhalten erleichtern, zum Beispiel Wikis, Blogs, Social-Bookmark-Dienste etc.


Abgesehen von seinen themenspezifischen Aufgabenbereichen und Programmaspekten hat die Organisation eines BarCamps viel mit „klassischer“ Veranstaltungsorganisation gemeinsam: Ein geeigneterVeranstaltungsort muss gefunden werden und Sponsoren aus dem thematischen Umfeld müssen von der Idee überzeugt und gewonnen werden. Denn: Die Teilnahme an einem BarCamp ist immer kostenlos und nur aus Platzgründen limitiert. Daher ist meist eine vorherige Anmeldung zwingend notwendig.


Eine Terminübersicht der nächsten BarCamps findet man unter anderem beim T3N-Magazin.


Die Themen und Ausprägungen sind nach wie vor vielfältig. Am 1.-Mai-Wochenende  fand beispielsweise das „BarCamp KIRCHE 2.0“ zum Thema kirchliche Online-Kommunikation statt. Das „Bibcamp Hannover“ vom 7. bis 8. Mai 2010 widmet sich dem Themenfokus „Bibliotheken“ und das „WordCamp BERLIN 2010“ im Juli 2010 beschäftigt sich mit der weit verbreiteten Blogging-Software „Wordpress“.

Auch in Schleswig-Holstein tut sich mittlerweile etwas: Im Umfeld des „Webmontag Kiel“ (http://www.webmontag.de/location/kiel/) wurde die Idee zum ersten „BarCamp KIEL 2010“ geboren, dessen Organisation gerade anläuft. Jeder Interessierte ist eingeladen, aktiv an der Planung, Gestaltung und Durchführung mitzuwirken(http://www.barcampkiel.de/); die Initiatoren haben bereits ein Wiki aufgesetzt.
Denn auch hier gilt: Ein BarCamp lebt ausschließlich von der Mitarbeit und den Beiträgen seiner Teilnehmer. Das BarCamp wird nur das abbilden, was die Besucher einbringen1.

Quelle:

1barcampkiel.de