Fremde Zeichen im homogenen Schriftbild:
When Schnörkel meets Serife
Dieser Trend bringt auf kunstvolle Weise Eigenständigkeit in Headlines. In ein einheitliches Schriftbild werden gezielt fremde Buchstaben eingebaut – besonders wirkungsvoll, wenn klassische Schriften mit Elementen aus der Schreibschrift kombiniert werden.
Ein Beispiel dafür liefert die aktuelle Employer-Branding-Kampagne der Hamburger Hochbahn. Dort stehen handgeschriebene Buchstaben für die Individualität der gesuchten Mitarbeiter*innen – und heben sich markant von der ansonsten sachlich-nüchternen CI-Schrift ab.

Klassische Schrift kombiniert mit Elementen der Schreibschrift.
Gestalten mit Maschinen:
KI und der neue Look der Kreativität
Noch nie war es so einfach, Bilder und Videos zu erschaffen. Spätestens seit ChatGPT auch Bilder generieren kann, reicht schon ein einfacher Prompt, um erste, einigermaßen überzeugende Ergebnisse zu bekommen. Die berüchtigten KI-Wurstfinger aus den Anfangszeiten von GenAI, in denen die Darstellung menschlicher Hände noch ein ziemliches Problem war, gehören weitestgehend der Vergangenheit an.
Wir sind mittendrin in der schönen neuen Welt der KI. Und die stellt natürlich auch die Arbeitswelt von Grafiker*innen, Fotograf*innen und Filmschaffenden ordentlich auf den Kopf.
Wie die Designarbeit mit KI aussehen kann, zeigt Nike. Mit dem Projekt A.I.R. (Athlete Imagined Revolution) stellt das Unternehmen eine neue Art der Gestaltung vor: 13 Top-Athlet*innen haben gemeinsam mit Designer*innen und künstlicher Intelligenz persönliche, emotionale Air-Schuhprototypen entwickelt. Entstanden sind die visionären Modelle im „LeBron James Innovation Building“ – eine Fusion aus Technologie, Kreativität und Handwerk, die einen Vorgeschmack darauf gibt, wohin sich die Air-Innovation in Zukunft bewegen könnte.

So läuft es sich in der Zukunft: KI-generierte Schuhe aus dem Hause Nike.
(© Nike, Inc.)
Punktsieg dank Raster Revival
Als prägendes Stilelement der Pop-Art waren Punktraster schon mal Ende der 1960er Jahre äußerst beliebt. Dann erlebten sie in Schwarz-Weiß in den 1980er Jahren ein Revival. Und jetzt sind sie wieder da: einfarbige Punktraster als Füllung für Flächen. Die Besonderheit der 2026er Punkte: Sie sind oft in den Primärfarben Cyan, Magenta oder Gelb gehalten und verleihen ansonsten langweiligen Flächen etwas Lebendigkeit und eigenen Charakter, ohne zu stark von der Gesamtgestaltung abzulenken.

Einfarbige Punktraster als Füllung für Flächen.
Goodbye Millennial Grey?
Unser Alltag wird immer grauer. Das ist das eher beiläufige Ergebnis einer Studie der britischen Science Museum Group Collection, die mehr als 7000 aktuelle und historische Alltags-Objekte ihrer verschiedenen Sammlungen miteinander verglich. Dabei drängte sich den Historiker*innen eine Beobachtung besonders auf: Während zwischen 1800 und 1900 warme bis leuchtende Rot-, Gelb- und Orange-Töne dominierten, sind wir insbesondere seit der letzten Jahrtausendwende hauptsächlich von Schwarz- und Grautönen sowie gedämpften Farben umgeben. Mit welcher Corporate Color gelingt ihrem Unternehmen die Flucht aus dem grauen Einheitsbrei?

Die Analyse des britischen Science Museums zeigt eine deutliche Farbverschiebung hin zu mehr Grautönen.
Wie in der guten alten Zeit: Early Cartoon Look
Als Cartoons laufen lernten, waren die Figuren schwarz-weiß, hatten Knopfaugen und schlauchartige Gliedmaßen. Dieser reduzierte Illustrationsstil erfreut sich derzeit wieder wachsender Beliebtheit – knapp 100 Jahre nachdem Steamboat Willie (so hieß Mickey Mouse 1928 noch) die Leinwand eroberte. Sicher hat auch das im gleichen Stil und außergewöhnlich fantasievoll gestaltete Computerspiel „Cuphead“ von 2017 den Weg für diesen Retro-Erfolg geebnet. Künftig erwarten wir wieder mehr Figuren mit Schlaucharmen und -beinen.

Die europäische Bekleidungs- und Lifestylemarke "The Dudes" setzt schon lange auf den Early Cartoon Look. Das Computerspiel "Cuphead" war sicher ein Auslöser für die neue Verbreitung des Looks und des Animationsstils.
(© StudioMDHR Entertainment)
Typografie als Bildobjekt
Marken finden häufig in Form von Produkten und stimmungsvermittelnden Visuals statt. Dabei kann auch Text zum visuellen Fixpunkt eines Motivs werden. Ein gängiger Weg hierfür ist es, Wortmarken, Buchstaben, Worte oder kurze Sätze aus bildhaften Objekten der Markenwelt zu konstruieren. Aussagen gewinnen deutlich an Kraft, wenn Wort und Bild eine Symbiose eingehen. Was in der Vergangenheit aufwendigen Modellbau oder entsprechende 3D-Renderings erforderte, gelingt jetzt z. B. mit der generativen KI von Adobe Firefly ganz einfach: Schrift aus Schaum für ein Shampoo, Umweltschutz-Botschaft aus Müll, oder das Marmeladen-Logo auf dem Brötchen.

Mit generativer KI wird Schrift selbst zum Bildobjekt. Von Churros-Buchstaben bis Cornflakes-Wörtern - Wort und Bild verschmelzen zu einer starken Markenbotschaft.
(© instagram.com/jadkassis)
Gute Aussichten für Liquid Glass
Skeuomorphismus, Flat Design und jetzt Glassmorphismus – alle paar Jahre vollziehen die großen Player Paradigmenwechsel im User Interface Design (UID). Nachdem sehr lange auf das Minimum reduzierte Flat-Design-Nutzeroberflächen die Szene dominierten, bringt Apple mit seiner neuen UI-Designsprache „Liquid Glass“ im Herbst den Stein wieder ordentlich ins Rollen. Schwebende transparente Flächen mit durchscheinenden Hintergründen, Icons, die wie in Glas geätzt wirken – leicht, fragil, überlagernd. Und Barrierefreiheit komplett ignorierend. Denn die Wahrnehmbarkeit einzelner Elemente leidet dabei extrem. Dennoch erwarten wir, dass sich dieser Designtrend in bestimmten Bereichen auch auf andere Medien ausbreiten wird.

Apple setzt mit "Liquid Glass" auf schwebende, glasartige UI-Elemente.
(© Apple Inc.)
Utilitarian Design: Alles an seinem Platz
Kennt ihr Bento-Boxen? Diese streng organisierten Essens-Tabletts, in denen kleine Happen strikt voneinander getrennt und portioniert dargereicht werden? So und ähnlich ist Utilitaristisches Design: ausschließlich auf Nutzen und an funktionalen Gesichtspunkten orientierte Gestaltung. Jede Informationsportion sauber für sich inszeniert und kredenzt, zusammengehalten von einem strengen Raster und den Dimensionen der Print- oder Browser-Seite. Darum herum lediglich neutrale Designelemente, wie der funktionale Kunststoff der Bento-Box. Gewöhnungsbedürftig, aber mit dem Vorteil, dass auch sehr unterschiedliche Designs nebeneinander bestehen können.

Klare Raster, klare Regeln - Design nach dem Bento-Prinzip.
Dieser Artikel ist Teil unseres Trendspot 2026.
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