Für jede Regelung findet ihr nachfolgend Kurzbeschreibung, Status und Termine, Betroffene (Unternehmen/Branchen), Auswirkungen auf Marketing/Kommunikation und empfohlene To‑dos. Praktisch, oder?
Hinweis: Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung, sondern ist eine praxisorientierte Orientierung für Kommunikation, Marketing, Produkt- und Vertriebsteams.Marketing, Werbung und Medien.
Digital Services Act (DSA)
Kurzbeschreibung und Ziel: EU‑Grundverordnung für Online‑Dienste mit u. a. Transparenz‑ und Kennzeichnungspflichten bei Werbung, Verbot von Targeting Minderjähriger sowie die Nutzung sensibler Daten; Werbeverzeichnisse bei großen Plattformen
Status und Termine: seit 16.11.2022; zusätzliche Implementierungen 2023 und 2024
Betroffene: Plattformen mit mehr als 45 Mio. aktiven Usern/Monat, Publisher, Advertiser, Agenturen
Auswirkungen: Strengere Ad‑Transparenzauslegung, Kennzeichnungen, Dark‑Pattern‑Verbote; Wahl‑/Politik‑Kontext besonders sensitiv, kein Targeting von sensitiven Merkmalen
To‑dos: Ad‑Kennzeichnung und -Transparenzprozesse prüfen; Creatives/Tracking von Minderjährigen‑ und sensitive Daten‑Verbote prüfen; Werbeverzeichnisse und Offenlegung orchestrieren; Influencer*innen‑Placements kennzeichnen
Verordnung zu Transparenz und Targeting politischer Werbung (TTPA)
Kurzbeschreibung und Ziel: Einheitliche Kennzeichnung von politischer Werbung, Werbeverzeichnisse, enge Grenzen für Targeting (explizite Einwilligung, Verbot sensibler Daten), Sperrfristen für Drittstaat‑Sponsoring vor Wahlen
Status und Termine: Beschlossen und seit 10. Okt. 2025 in Kraft
Betroffene: Parteien, NGOs, Medien, Plattformen, Advertiser/Agenturen, Unternehmen, die Parteienwerbung finanzieren
Auswirkungen: Deutlich höhere Compliance‑Aufwände; manche Plattformen schränken politische Ads ein
To‑dos: Polit‑Ad‑Policy, Kennzeichnung‑Pipelines, Einwilligungsflüsse, Zielgruppenkriterien und Dokumentation implementieren
European Media Freedom Act (EMFA)
Kurzbeschreibung und Ziel: Schutz redaktioneller Unabhängigkeit und Pressefreiheit, neue EU‑Medienaufsicht (European Board for Media Services), Regeln für staatliche Werbung und Medien‑Transparenz, Schutz journalistischer Quellen
Status und Termine: Anwendung seit8. August 2025 (gestuft)
Betroffene: Medienhäuser, Vermarkter, öffentliche Auftraggeber, größere Werbetreibende, Agenturen
Auswirkungen: Mehr Transparenzanforderungen bei staatlicher/öffentlicher Werbung; Umfeld‑Sorgfalt (Brand Safety) gewinnt an Relevanz
To‑dos: Media‑Compliance, Kennzahlen und Nachweise zu redaktioneller Unabhängigkeit, Medien-Eigentümer‑Transparenz tracken; Dokumentationspflichten und Nachweise bei Public‑Sector‑Kampagnen
Influencer‑/Creator‑Compliance (EU‑Verbraucherrecht)
Kurzbeschreibung: Vorgaben und Leitlinien zu Kennzeichnung, Schleichwerbung, Preisangaben von Influencer*innen und Creator*innen generierte Werbung, Bewerbung nur von sicheren Produkten
Status und Termine: Leitfäden wurden 2024/25 aktualisiert
Betroffene: Influencer*innen, Agenturen, Werbetreibende
Auswirkungen: Strengere Offenlegungsstandards von bezahlter Werbung; klare Darstellungsregeln bei Preisreduktion, Sonderregeln bei Werbung für Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte, Alkohol und Glücksspiel
To‑dos: Creator*innen‑Briefings und Vertragsklauseln aktualisieren; Prüf‑Checklisten und Freigaben standardisieren

Das EU-Verbraucherrecht schaut inzwischen auch Influencer*innen genauer auf die Finger.
Nachhaltigkeit & Produktkommunikation
CSRD & ESRS (Nachhaltigkeitsberichterstattung)
Kurzbeschreibung und Ziel: Einheitliche Reportingstandards in der Nachhaltigkeitsberichterstattung, erweiterte Reportingpflichten (Doppel‑Wesentlichkeit, ESRS‑Standards), auch für viele nicht börsennotierte Unternehmen; mittelbar Marketing/Brand sind mittelbar betroffen
Status und Termine: Staffelung seit Geschäftsjahr 2024
Betroffene: große Unternehmen, kapitalmarktorientierte KMU, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen, bestimmte Nicht‑EU‑Unternehmen
Auswirkungen: Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements, stärker prüfbare Nachhaltigkeitsaussagen; Publikations- und Offenlegungspflichten
To‑dos: Claims/Storytelling gegen ESRS‑Daten absichern; Governance für freigegebene Kennzahlen, Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD-Standard
UCPD (Unfair Commercial Practices Directive)
Kurzbeschreibung: Verschärfte Regelung gegen Greenwashing: Verbot generischer Umweltclaims ohne Beleg, Verbot "klimaneutral durch Kompensation", strengere Label-/Vergleichsstandards
Status und Termine: Seit 26. März 2024 in Kraft; nationale Umsetzung in 2026
Betroffene: Alle B2C‑Anbieter
Auswirkungen: Deutlich höhere Beleganforderungen für Umweltkommunikation
To‑dos: Claim‑Substantiation-Dossiers, Freigabe‑Prozesse für Nachhaltigkeitsaussagen, Einführung Green-Storytelling
ESPR – Ecodesign for Sustainable Products Regulation (Digitaler Produktpass)
Kurzbeschreibung: Rahmen für produktgruppenspezifische Ökodesign‑/Informationspflichten inkl. Digitalem Produktpass (DPP)
Ziel: Produkte in der EU sollen langlebiger, ressourcenschonender, reparierbarer und recycelbarer werden
Status und Termine: in Kraft (2024); delegierte Roll‑out für unterschiedliche Produktgruppen sukzessive ab 2026
Betroffene: Handel und Unternehmen unterschiedlichster Produktgruppen (z. B. Textilien, Möbel, Reifen, Eisen und Stahl, Batterien, Elektronik)
Auswirkungen: Marketing muss technische Produktdaten (Herkunft, Reparierbarkeit, Rezyklatanteil etc.) konsistent kommunizieren; Verbot der Vernichtung von unverkauften Produkten, Pflicht zur Weiterverwendung, Spende oder Recycling, einheitliche Vorgaben für Nachhaltigkeitslabels, keine eigenen „grünen Labels“ ohne Nachweis und Zulassung
To‑dos: Erstellung eines Digitalen Produktpasses (über QR-Code am Produkt erreichbar), Ermittlung der zu kommunizierenden Anforderung (Materialien, Inhaltsstoffe, Rezykatanteil, Recyclingfähigkeit, Reparierbarkeit, Nachhaltigkeitskennzeichen, Nachhaltigkeitslabel
PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation
Kurzbeschreibung: EU‑weit harmonisierte Verpackungsregeln (Design‑, Rezyklat‑, Kennzeichnungs‑, Verbots‑ und Reduktionsvorgaben)
Status und Termine: Verordnung am 11.02.2025 veröffentlicht – Wirksamkeit der Verordnungen ab dem 12. August 2026
Betroffene: Hersteller, Umsetzende, Händler, E‑Commerce-Unternehmen
Auswirkungen: Anpassung von On‑Pack‑Claims, Trennhinweisen, QR/Infos zur Entsorgung; Re‑Design von Packagings und POS‑Kommunikation
To‑dos: Überarbeitung der Produktverpackungen

Nicht nur auf den Inhalt kommt es an. Auch die Anforderungen an Verpackungen und Produktkennzeichnungen nehmen enorm zu.
Barrierefreiheit
European Accessibility Act (EAA) / BFSG (DE)
Kurzbeschreibung: Barrierefreiheits‑Pflichten für B2C-Kommunikation, E‑Commerce‑Websites/Apps, eBooks, Terminals, Kundenkommunikation
Status und Termine: Anwendung seit 28. Juni 2025 (mit Übergängen)
Betroffene: Öffentliche Verwaltung und B2C-Unternehmen (über 10 Beschäftigte und 2 Mio. Jahresumsatz)
Auswirkungen: Barrierefreiheit wird rechtsverbindlicher Qualitätsstandard (WCAG‑nahe)
To‑dos: Accessibility‑Audit (UX/UI/Code/Content), Roadmap und Schulungen; Styleguides und Designsysteme anpassen, Bestellprozesse und Contentlogik prüfen

Barrierefrei auf allen Wegen: Auch digitale Services sollen für jeden Menschen nutzbar sein.
Künstliche Intelligenz
EU‑AI‑Act (2024/1689)
Kurzbeschreibung: Risikobasierte Pflichten für KI‑Systeme; Transparenz z. B. für KI‑Interaktion/„Deepfakes“; GPAI‑Pflichten
Status und Termine: in Kraft; gestufte Anwendung 2025–2027 (Kernpflichten ab 2026)
Auswirkungen: Kennzeichnung KI‑generierter Inhalte, Risiko‑/Daten‑Governance, Werbemittel‑/Chatbot‑Transparenz
To‑dos: KI‑Use‑Case‑Inventar, Transparenzhinweise (z. B. „KI‑erstellt“), Review‑Prozesse & Dataset‑Dokumentation, Prompt‑/Asset‑Archivierung

Der Einsatz von KI muss diskriminierungsfrei erfolgen und erfordert Transparenz.
Dieser Artikel ist Teil unseres Trendspot 2026.
Häufige Fragen und Antworten zu Marketinggesetzen 2026
Die Antworten auf die wichtigsten Fragen findet ihr hier:
Was ist der Digital Services Act (DSA)?
Der Digital Services Act ist eine EU-Grundverordnung, die Transparenz- und Kennzeichnungspflichten bei Werbung definiert, das Targeting von Minderjährigen verbietet und die Nutzung sensibler Daten regelt.
Welche Unternehmen sind vom DSA betroffen?
Betroffen sind Plattformen mit mehr als 45 Millionen aktiven Nutzern pro Monat, Publisher, Advertiser, und Agenturen.
Was sind die wichtigsten Änderungen im Bereich der politischen Werbung?
Die Verordnung zur Transparenz und zum Targeting politischer Werbung verlangt eine einheitliche Kennzeichnung, Werbeverzeichnisse und explizite Einwilligungen für das Targeting.
Was sind die Anforderungen des CSRD in Bezug auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung?
Die CSRD verlangt einheitliche Reportingstandards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, einschließlich erweiterter Offenlegungspflichten für viele Unternehmen.
Welche Verpflichtungen ergeben sich aus der UCPD?
Die UCPD verbietet generische Umweltclaims ohne Belege und strengere Label- und Vergleichsstandards zur Vermeidung von Greenwashing.
Wie beeinflusst der European Accessibility Act (EAA) die digitale Kommunikation?
Der EAA macht Barrierefreiheit zu einem rechtsverbindlichen Qualitätsstandard für B2C-Kommunikation und E-Commerce-Websites, der bis zum 28. Juni 2025 umgesetzt sein muss.
Was sind die Hauptpflichten des EU-AI-Acts?
Der EU-AI-Act verlangt risikobasierte Pflichten für KI-Systeme, einschließlich der Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten und der Transparenz bei der Nutzung von KI in Werbemitteln.
Wie kann ich sicherstellen, dass mein Unternehmen konform bleibt?
Es wird empfohlen, Compliance-Prüfungen durchzuführen, aktuelle Richtlinien umzusetzen und die Mitarbeiter in Bezug auf neue Gesetze und Bestimmungen zu schulen.
Relevante Fachartikel
03.12.2025
KI-Update: Zwischen Quantensprung und Qualitätsfrage
Künstliche Intelligenz (KI) treibt im Jahr 2025 gegenwärtig bereits fundamentale Veränderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Technik voran. Große Tech-Player liefern sich ein Rennen um Dominanz im neuen KI-Ökosystem, während Generative KI in Bild, Video und Text in rasantem Tempo Massenmarkt-Relevanz erreicht. Parallel dazu formt sich ein regulierender Gesetzesrahmen, der den Einsatz von KI strukturieren soll. Und doch wachsen Erwartungen und Hype schneller, als viele realistische Einschätzungen hinterherkommen. In diesem Update analysiert Berater Patrick Kostorz den Status quo in der KI-Welt und wagt dabei einen Blick auf mögliche Entwicklungen der kommenden Jahre.
26.11.2025
Designtrends 2026
Schriftenmix, Glas-Optik, Vergrauung, Punkte und Bento-Boxen – teils Wiederentdeckung, teils Weiterentwicklung früherer Designs. Anderes wirkt dagegen eher wie ein trotziger Gegentrend. Verspieltheit und Strenge, Spaß und Nutzen: Die Designtrends für 2026 zeigen selbstbewusst in ganz unterschiedliche Richtungen. Unsere Kreativdirektoren Lutz Lungershausen, Christian Klose und Patrick Wilkens weisen euch den Weg.
19.11.2025
Vibe Vision: Die Zukunft der Markenführung
30 Jahre Internet, der Siegeszug von Smartphones, Streaming und Social Media, eine weltweite Pandemie und unzählige politische, ökologische und auch soziale Krisen haben eine neue Realität geschaffen. Genauer: Sie haben neue, multiple Realitäten geschaffen. Und Marken müssen sich leichtfüßig zwischen diesen Welten hin und her bewegen. Ein Weg: Vibe Marketing. Was es damit auf sich hat, erklären Mandy Stegmann und Alexander Streif.

Heiß auf Insider-Infos?
Immer up to date: Unser Newsletter versorgt dich einmal monatlich mit brandneuen Trends und Innovationen aus der Kommunikationswelt.


