Wir haben alle Susanne Daubners ikonische Stimme im Kopf, wenn es darum geht, das aktuelle Jugendwort des Jahres zu verkünden. Aber wer spricht überhaupt so? Jugendliche. Obviously.

WTF ist Jugendsprache?

Jugendsprache ist ein Gruppen- und Altersphänomen. Typischerweise tritt es etwa zwischen 12 und 20 Jahren auf. Sie ist Ausdrucksform, Zugehörigkeitscode und zugleich Mittel zur Abgrenzung. Vor allem aber dient sie der Selbstpositionierung in einer sich permanent wandelnden Gesellschaft. Fun Fact: Auch Erwachsene haben ihre Geheimsprache. Allgemein bekannt auch als Fachjargon. Klingt weniger kreativ, erfüllt aber denselben Zweck.

Viele Creator*innen und junge Erwachsene (18–30) spielen ebenso mit Jugendsprache. Sei es fürs Entertainment oder zur Selbstinszenierung. Sie ist kein Zwang. Eher eine Art kreatives Angebot. Manche nehmen es an. Und manche eben nicht. Aus Selbstironie oder um cool zu wirken, taucht sie hin und wieder auch bei Eltern, Lehrer*innen oder Boomern auf. Spoiler: Klappt selten. Also das mit dem cool wirken. Allein die Formulierung dieses Satzes fühlt sich nach dem Gegenteil an. Jugendsprache ist schnelllebig. Was heute noch slay ist, wird morgen schon cringe und übermorgen zum Boomer-Move. Ganz dünnes Eis, also.

Woher kommen Jugendwörter eigentlich?

Seit 2008 veröffentlicht Langenscheidt das Jugendwort des Jahres. Sieger damals: „Gammelfleischparty“. Ein wenig schmeichelhafter Begriff für Ü-30-Partys. Na, herzlichen Dank. Seither gehen viele Begriffe generationsübergreifend in den Wortschatz über. „Cringe“ zum Beispiel. Es wurde 2021 zum Jugendwort gekürt und ist sowohl bei New Communication als auch in meinem persönlichen Umfeld ein stehender Begriff.

Wie stellt sich die Liste der Jugendwörter zusammen?

Langenscheidt ruft jedes Jahr dazu auf, Vorschläge einzureichen. Angesprochen sind dabei alle zwischen 11 und 20 Jahren. Wanted: Begriffe, die zum üblichen Sprachgebrauch der Jugendlichen gehören. Nicht zwingend Deutsch. Gern auch aus anderen Sprachen. Hauptsache, sie erreichen eine relevante Verbreitung. Tabu sind diskriminierende, beleidigende oder sexistische Ausdrücke.

Kandidaten-Check: Jugendwort 2025

Werfen wir mal einen Blick auf die Top-10-Liste für das Jugendwort des Jahres 2025. Ebenfalls zusammengestellt von der Jury des Langenscheidt-Verlags.

  • Das crazy: Allzweckreaktion bei Sprachlosigkeit. Vergleichbar mit „Aha, cool“ oder „Okay“.
  • Tuff: Slang für „krass“, „cool“ oder „beeindruckend“.
  • Checkst du: Variante von „Verstehst du?“. Meist am Satzende.
  • Schere: Aus der Gaming-Szene. Bedeutet: „Mein Fehler“. Digitaler Handschlag mit Einsicht.
  • Lowkey: Bedeutet „ein bisschen“, „unauffällig“ oder „unterschwellig“. Besonders bei Gefühlen beliebt.
  • Digga(h): Klassiker. Synonym für Bro, Freund*in, Mensch. Funktioniert als Anrede oder Ausruf.
  • Goonen: Slang für ausgedehnte Selbstbefriedigung. Ursprünglich mit Bezug zu Dopaminsucht. Inzwischen allgemeines Synonym.
  • Rede: Zustimmung mit Nachdruck. Wird gesagt, wenn jemand laut ausspricht, was alle denken.
  • Sybau: Kurz für „Shut your b*tch ass up“. Klingt niedlich, meint aber „Halt die Fresse“. Jedoch mit ironischem Vibe.
  • Tot: Wenn etwas oder jemand komplett peinlich, lame (lahm) oder unpassend ist. Party, Stimmung, Outfit = tot.

Beim Abstimmen gibt es übrigens, anders als bei den Vorschlägen, keine Altersbegrenzung nach oben. Mitmachen kann jede*r. Wer Interesse hat: Noch bis Anfang September kann hier für den Favoriten gevotet werden. Anschließend geht es für rund vier Wochen in die finale Top-3-Phase. Auf der Frankfurter Buchmesse Mitte Oktober wird schließlich der Gewinner-Begriff bekannt gegeben. Schauen wir mal, was wird (was wird).

Ironische Gegenaktion: Boomer-Wort des Jahres

2024 wurde die charmante Umkehr des Konzepts erfunden. Das Boomerwort des Jahres. Erfunden vom Webvideoproduzenten Levi Penell. Der Gedanke: Wenn ältere Generationen jedes Jahr über „lost“, „wild“ und „Diggah“ urteilen, darf die Jugend auch auswählen, was nach E-Mail-Signatur und Hagebuttentee klingt.

Natürlich ist das Ganze nicht böse gemeint. Es ist vielmehr eine augenzwinkernde Einladung, über sich selbst lachen zu dürfen. Und auch hier wieder ein Reminder, dass Sprache eben immer im Wandel ist. Und dass jede Generation Begriffe hat, die sie mit Leidenschaft benutzt. Bis sie peinlich werden.

Wer diesen Abschnitt laut gelesen hat: Glückwunsch. Ihr seid offiziell in der Zielgruppe.

Selbsttest: Wie sprecht ihr eigentlich?

Wenn ihr euch beim Lesen dieses Artikels inzwischen gefragt habt, wo ihr sprachlich eigentlich steht: Jetzt dürft ihr den ultimativen Selbsttest machen. Seid ihr noch Team Gen Z/Alpha oder steht ihr schon auf der Gästeliste der nächsten Thermomix-Party? Lest dazu folgende Aussagen durch und wählt weise (und ehrlich), ob ihr eure Stimme A) den Boomern zuteilt oder B) Jugendwörter schon zu eurem täglichen Sprachgebrauch gehören.

 

1. Ihr habt eine starke Meinung.

A) „Ich lass mir doch nicht auf der Nase rumtanzen!“

B) „Meine Meinung, checkst du?“

 

2. Ihr seid begeistert von jemandem.

A) „Der hat echt was auf dem Kasten.“

B) „Wild. Einfach wild.“

 

3. Ihr möchtet ausdrücken, dass ihr es nicht ganz ernst meint.

A) „War nur Spaß. Bleib locker.“

B) „War Joke. Lowkey.“

 

4. Etwas ist richtig unangenehm.

a) „Das ist aber peinlich.“

b) „Brudi… das ist maximal cringe.“

 

5. Jemand sagt etwas, das alle denken, aber keiner aussprechen will.

a) „Da hat er aber mal Tacheles geredet.“

b) „Rede! Der hat komplett delivered.“

 

6. Ihr möchtet ausdrücken, dass jemand Eindruck gemacht hat. 

a) „Ein echt pfiffiger Kerl!“

b) „Tuff. Der Typ ballert.“

 

7. Ihr habt keine Ahnung, worum es gerade geht.

a) „Da steh ich jetzt auf dem Schlauch.“

b) „Ich bin lost.“

 

8. Ihr geht ins Fitnessstudio. 

a) „Ich fahr’ mal eben in die Muckibude.“

b) „Ich gönn’ mir ne Runde Gains.“

 

 

Auswertung

Überwiegend a):

Boomer-Vibes incoming! Ihr seid sprachlich eher auf dem Parkettboden. Eure Sätze haben Stil. Aber auch schon Staub angesetzt. Vielleicht braucht ihr kein „Drip“, um Eindruck zu machen, aber ein bisschen Jugendsprache-Politur kann nicht schaden.

Meistens b):
No cap, ihr seid Gen Z certified. Ihr sprecht flüssig TikTok und denkt bei „Knorke“ eher an Käse als an Komplimente. Sprachlich seid ihr up to date. Nur nicht zu wild, sonst wird es schnell … nun ja, cringe.

Gleichstand:
Willkommen in der Zwischenwelt! Egal, ob „Sportsfreund“ oder „Slay“: Ihr seid ein wandelndes Sprach-Meme. Und das ist auch gut so. Flexibel bleiben ist schließlich der wahre Skill.

Fazit

Patricia Kunth, Projektleitung Jugendwort des Jahres bei Langenscheidt, beschreibt es so: „Wörter verbinden – oder spalten. Und jedes Jahr zeigen junge Menschen aufs Neue, wie sehr Sprache bewegt. Ob in Memes, Talkshows oder Insta-Reels: Jugendwörter spiegeln, was Gen Z und Gen Alpha fühlen, denken und feiern.“

Sus oder legit. Jugendsprache ist vieles, nur nicht langweilig. Vor allem die sozialen Medien befeuern das Entstehen neuer Begriffe (siehe auch TikTok Speech ­– eine App prägt die Jugendsprache), Redewendungen und Floskeln. Manchmal kreativ, manchmal spontan, manchmal absurd. Aber immer ein Spiegel ihrer Zeit. Sie zeigt, wie Gen Z und Co. denken, fühlen und sprechen. Und wer das nicht checkt, ist halt ein NPC. No cap.

Quellen:

simon-schnetzer.com
langenscheidt.com
ndr.de
boomerwort.com

Daniela Schwiderski

Daniela ist Texterin bei New Communication. Wenn sie nicht gerade mit Worten jongliert, wirbelt sie mit Hund und Kindern durch Wälder und über Wiesen. Plötzliches Innehalten hat in Danies lebhaftem Alltag eigentlich nur einen Grund: wenn ihr die perfekte Headline durch den Kopf schießt. Thank God für Notizen-Apps!

Relevante Fachartikel

Hand mit Smartphone auf dem TikTok Logo zu sehen ist

28.05.2025

TikTok Speech – Eine App prägt die Jugendsprache

Wenn man die jüngere Generation reden hört und sich fragt: "Habe ich irgendwas verpasst?" – dann könnte es unter anderem an TikTok liegen. Denn die Plattform beeinflusst nicht nur, was Jugendliche schauen oder kaufen, sondern auch, wie sie sprechen. Und zwar tagtäglich. Doch warum genau prägt TikTok die Sprache so stark – und was bedeutet das für Unternehmen und Marken? Junior-Beraterin Lisa verrät, was dahintersteckt.

Mann am Tisch Frau serviert Essen Gendergerechte Sprache

24.04.2025

Krieg der Sternchen - Gendersprache als Politikum und Türöffner

Heiß, heißer, Gendergerechte Sprache. Das Thema, das seit einigen Jahren immer wieder zu hitzigen Diskussionen führt. Dabei will sie niemandem etwas vorschreiben. Ganz im Gegenteil. Genderrechte Sprache schließt alle Menschen ein – und niemanden mehr aus. NC-Texterin Danie gibt uns einen Einblick, wieso ein stetiger Sprachwandel schon immer da war und heutzutage umso wichtiger ist.

Smartphone mit Händen und Beinen auf rosafarbenen Hintergrund

22.01.2025

Online-Marketing Trends 2025

Von verändertem Suchverhalten bis hin zu einer neuen Form des Targetings. Das Online-Marketing der Zukunft ist anders und bringt ein Umdenken für Werbetreibende mit sich. Es bedarf maßgeschneiderte Antworten auf unausgesprochene Fragen. Optimierter, proaktiver und vor allem genau da, wo sich die Zielgruppe aufhält.

Heiß auf Insider-Infos?

Immer up to date: Unser Newsletter versorgt dich einmal monatlich mit brandneuen Trends und Innovationen aus der Kommunikationswelt.

Newsletter bestellen