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Das Geheimnis guter Online-Texte

Im Netz suchen die Menschen ungeduldig nach Informationen. 79 % überfliegen Texte statt sie zu lesen. Dabei nehmen sie höchstens 50 % des Inhalts wahr. Jeder 2. Nutzer entscheidet in 8 Sekunden, ob die Webseite interessant ist. Wenn nicht, ist er weg. Bleibt er, ist das Lesen am Bildschirm für ihn anstrengender als auf Papier. Und dauert 25 % länger. Die Folge: Online-Texte müssen noch kürzer, präziser und verständlicher sein als gedruckte Texte.

10 Tipps für gute Online-Texte
1 Fassen Sie sich kurz

Schreiben Sie kurze Sätze mit höchstens 15 bis 17 Wörtern. Eine Haupt-Nebensatz-Kombination hier und da sorgt für Abwechslung.

Streichen Sie möglichst viele Füllwörter, Hilfsverben und Konjunktive. Diese schwächen die Aussagekraft Ihrer Texte.

Ersetzen Sie ein Wort mit mehr als 12 Buchstaben durch ein kurzes. Auch zusammengesetzte Verben lesen sich schwerfälliger als einfache Verben. Denn ihr bedeutungstragender Bestandteil steht meist am Satzende. Vergleichen Sie selbst.

Beispiel 1: Sie kommen heute beim Lokführer-Streik zusammen.
Beispiel 2: Sie treffen sich heute beim Lokführer-Streik.

2 Schreiben Sie verständlich

Auch wer Texte zunächst nur überfliegt, will sie bei Interesse schnell verstehen. Wählen Sie daher eine einfache, informelle Sprache.

Formulieren Sie aktiv statt passiv. Vermeiden Sie Fremdwörter und Fachbegriffe oder erklären Sie sie. Es sei denn, Ihre Kunden oder Leser sind selbst vom Fach.

Setzen Sie alle Zahlen in Ziffern. User suchen nach Fakten – ihr Blick bleibt an Zahlen hängen. Vermeiden Sie Abkürzungen. Ihre Leser verstehen diese womöglich falsch oder gar nicht. Ausnahme: In Verbindung mit Zahlen können Sie allgemein bekannte Maße, Gewichte und Einheiten abkürzen: „3 kg oder 20 %“ erfasst man schneller als  „3 Kilogramm oder 20 Prozent“.

Teilen Sie zusammengesetzte Wörter durch Bindestrich in ihre Bestandteile auf oder formulieren Sie um.  Schreiben Sie statt „Suchmaschinenmarketingexperte“ lieber „Suchmaschinen-Marketing-Experte“ oder „Experte für Suchmaschinen-Marketing“.

3 Starten Sie mit dem Wichtigsten

User scannen Webseiten in Form eines F. Sie sichten die ersten Zeilen eines Textes komplett. Dann verläuft ihr Blick am linken Textrand von oben nach unten.

1. Beginnen Sie Ihren Text also immer mit den wichtigsten Inhalten. Das sind  beispielsweise Ihre Alleinstellungsmerkmale. Oder Antworten auf die 5 W-Fragen: Wer? Was? Wo? Wann? Warum?

2. Stellen Sie das Wesentliche nicht nur an den Beginn Ihres Textes, sondern auch an den Anfang der einzelnen Absätze und Sätze.

3. Platzieren Sie dort auch Reiz- oder Schlüsselwörter. Beispiel: „10 % Rabatt für Neukunden“ kommt schneller auf den Punkt als „Allen Neukunden bieten wir einen Rabatt von 10 %.“

4 Seien Sie langweilig

Hochspannung gehört in Krimis, nicht auf Ihre Webseite. Ihre Besucher wollen Fakten finden. Ersetzen Sie kreativ verschlüsselte Texte durch beschreibende Texte – auch wenn sie langweilig klingen. Denn beschreibende Kategorie-Namen und Menü-Punkte werden häufiger angeklickt.

Das gilt auch für Überschriften und Zwischenüberschriften. 8 von 10 Usern lesen nur die Headlines. 2 von 10 noch den Fließtext. Je beschreibender Ihre Überschrift, desto besser.

Ausnahme: Teaser. Sie sollen neugierig machen und zum Weiterlesen animieren. Sparen Sie sich wichtige Fakten für den eigentlichen Text auf.

5 Gliedern Sie

Im Web sinkt die Konzentrationsfähigkeit. Servieren Sie Ihre Botschaften also in leicht verdaulichen Häppchen.

Gliedern Sie Ihre Texte in übersichtliche Abschnitte mit sinnvollen Zwischenüberschriften. Dabei gilt: pro Absatz 1 Gedankengang.
Stellen Sie komplexe Inhalte grafisch dar. Das sorgt für einen besseren Überblick und Abwechslung auf Ihrer Webseite.

Nutzen Sie Aufzählungszeichen, Tabellen und Formatierungen. Unterstreichungen sind für Links reserviert. Setzen Sie Fettdruck bewusst und sparsam ein – am besten bei positiv belegten Wörtern.

6 Sprechen Sie Ihre Leser direkt an

Sprechen Sie mit statt zu Ihren Kunden. Nehmen Sie die Kunden-Perspektive ein und  benutzen Sie öfter „Sie“ als „Wir“. Verraten Sie Ihren Besuchern direkt auf der Startseite, was Ihr Unternehmen bietet. Überlegen Sie, welche Fragen Ihre Leser haben. Und beantworten Sie diese.

7 Denken Sie positiv

Tauschen Sie Verneinungen gegen positive Formulierungen aus. Das erhöht die Verständlichkeit. Vergleichen Sie selbst – Beispiel 2 liest sich leichter.

Beispiel 1: Kurze Sätze sind unverzichtbar für den Lesefluss.
Beispiel 2: Kurze Sätze erleichtern den Lesefluss.

8 Brechen Sie Regeln

Die Regeln für Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik gelten auch im Web. Richtiges Deutsch ist ein Qualitätsmerkmal. Das wirkt sich positiv auf Ihr Ranking in den Suchmaschinen aus.

Wer die Grammatikregeln kennt, darf sie an geeigneter Stelle auch mal über Bord werfen. Denn manchmal reichen Satzfragmente oder Satzsplitter aus, damit der Leser die Botschaft versteht. Verkürzte Sätze kommen schneller auf den Punkt.

9 Schreiben Sie in Bildern

Wer anschaulich schreibt, weckt Bilder im Kopf seiner Leser. Schon bleibt ein Text länger im Gedächtnis. Also: Nutzen Sie verständliche Metaphern. Geben Sie Beispiele. Vergleichen Sie. Und vermeiden Sie abstrakte Begriffe.

10 Bleiben Sie sachlich

Vergessen Sie Superlative und Übertreibungen. Bleiben Sie objektiv und neutral. Das ist im Web wesentlich effektiver. Marketing-Sprache, Werbe-Blabla und Fachbegriffe haben dort nichts zu suchen.

Quellen:

Nielsen Norman Group, UX Research Reports

Miriam Löffler, Think Content!, 2014

Markus Mattscheck, Leitfaden Web-Usability, Juli 2013

Saim Rolf Akan, 1 x 1 für Online-Redakteure und Online-Texter, 2009