Seit der Jahrtausendwende versuchen Raumfahrtbehörden und Firmen, den Weltraum zu erschließen. Allen voran die Internetriesen, die viel Barvermögen angehäuft haben, um über das Weltall auch in den entlegensten Gegenden der Erde verfügbar zu sein. Denn die Treiber für die Erschließung des Weltraums sind der Tourismus und das Internet für alle auf unserem Planeten.

Internetverfügbarkeit weltweit

2019 war das Internet für 53,6 Prozent der rund 7,7 Milliarden Menschen starken Weltbevölkerung verfügbar. Von seiner Geburtsstunde Mitte der 90er-Jahre bis 2010 waren immerhin schon 30 Prozent der globalen Bevölkerung mit dem World Wide Web verbunden. Prognosen, wann die ganze Welt vernetzt sein wird, gibt es zurzeit nicht. Doch die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten verlief sehr linear. Eine globale Verfügbarkeit des Internets ist nicht nur unter informativen und sozialen Aspekten interessant. Auch der Umsatz im E-Commerce wird diese Entwicklung vorantreiben. Sein geschätzter Jahresumsatz lag 2020 bei ca. 2,135 Billiarden Euro. 2024 soll er 2.922 Billiarden Euro umfassen. Ein Riesengeschäft, das die großen Konzerne auf möglichst viele Menschen ausdehnen wollen.

Globale Satellitenprogramme

Um einen Internetzugang auch in den abgelegensten Gebieten der Welt bereitzustellen, arbeiten einige Firmen bereits daran, den Erdorbit mit Satelliten zu bestücken. Der Nachteil der Satellitentechnologie sind die hohen Kosten. Doch in Regionen, in denen Kabel oder Sendemasten keine Alternativen darstellen, gibt es keine andere Möglichkeit. Satelliteninternet ist zudem gegenüber Naturkatastrophen unempfindlich und kann selbst unter extremen Bedingungen die Verbindung zur Außenwelt aufrechterhalten. Vorausgesetzt, es gibt Strom.

SpaceX – Starlink

Elon Musks Firma SpaceX ist mit von der Partie: Unter dem Namen Starlink befinden sich 775 Satelliten im erdnahen Orbit. Insgesamt gibt es befristete Genehmigungen bis zum Jahr 2027 für den Start von maximal 11.927 Satelliten. Ziel ist es, ein Netzwerk zur globalen Internetnutzung zu errichten. Der Unterschied zu normalen Satelliten? Die Starlink-Satelliten fliegen nur in rund 550 Kilometern Höhe und sind damit auch für das menschliche Auge sichtbar. Zum Vergleich: Satelliten bewegen sich sonst in Höhen von 1.000 Kilometern und mehr. Ein Verkehrsflugzeug fliegt bis zu 11 Kilometer hoch. Noch 2020 soll das Starlink-Netzwerk in Nordamerika zur Verfügung stehen. 2021 soll eine nahezu globale Abdeckung erreicht werden. Sie bietet nicht nur Breitbandinternet fast überall auf der Welt, sondern könnte auch eine genauere Navigation ermöglichen und das GPS ablösen.

Amazon – Projekt Kuiper

Wo Elon Musk ist, ist Jeff Bezos' Blue Origin nicht weit: Zehn Milliarden US-Dollar will der E-Commerce-Konzern Amazon dafür investieren. Das Projekt Kuiper soll über 3.236 Satelliten verfügen. Wie die Starlink-Einheiten fliegen sie in niedriger Erdumlaufbahn, um Latenzzeiten kurz zu halten. Amazon sieht sich – ähnlich wie SpaceX – eher als Kooperationspartner bestehender Provider denn als Wettbewerber. Projekt Kuiper könne 5G- und anderen Providern helfen, neue Regionen zu erschließen.

Weltraumtourismus – Astronaut für einen Tag

2021, spätestens 2022, soll der Weltraumtourismus so richtig anlaufen. Der Konkurrenzkampf zwischen Elon Musk (SpaceX), Jeff Bezos (Blue Origin) und Richard Branson (Virgin Galactic) wird die Chancen auf einen bezahlbaren Ausflug ins All überhaupt erst ermöglichen. 2001 hat das bereits 1998 gegründete Unternehmen Space Adventures den ersten Weltraumtouristen Dennis Tito für 20 Millionen US-Dollar mit einer russischen Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation (ISS) befördert. Die anderen drei Firmen wollen dies künftig zu deutlich günstigeren Preisen anbieten.

SpaceX

Elos Musks Unternehmen kooperiert seit 2020 mit Space Adventures, welches vier Weltraumtouristen ins All bringen will – und zwar nicht zur ISS, sondern zwei- bis dreimal weiter weg. SpaceX hat im Weltraumrennen aktuell die Nase vorn. Es hat Transportflüge durchgeführt und 2020 die ersten Astronauten der NASA in den Weltraum befördert. Nach anfänglichen Fehlschlägen mit der Rakete Falcon 1 entwickelte sich das Unternehmen innerhalb weniger Jahre mit der Falcon 9 und dem Raumschiff Dragon zu einem bedeutenden Versorger der ISS. 2017 löste SpaceX Arianespace als weltweiten Marktführer bei Satellitenstarts ab. Mit der 2018 erstmals gestarteten Falcon Heavy bietet das Unternehmen die stärkste verfügbare Trägerrakete an. Seit Mai 2020 führt SpaceX bemannte Raumflüge durch, zunächst für die NASA zur ISS. Ab 2021 sollen auch Touristen ins All befördert werden. Zu den weiteren Zielen, die aktuell weder bepreist noch terminiert sind, gehören Earth-to-Earth-Flüge per Rakete (London–Los Angeles in 32 Minuten). Die Mission, auf den Mond zurückzukehren. Und Elon Musks persönlicher Traum: eine Reise zum Mars.

Blue Origin

Auch das Amazon-Unternehmen Blue Origin will Menschen in den Weltraum befördern – jedoch frühestens ab 2024. Das Unternehmen konzentrierte sich zunächst auf die suborbitale Raumfahrt. Die Testflüge des New Shepard begannen im April 2015. Die Flugerprobung dauert bis heute an. Blue Origin hat den Termin für die ersten Passagiere mehrmals nach hinten verschoben. Bei fast jedem Testflug seit 2015 erreichte das unbemannte Fahrzeug eine Höhe von mehr als 100 Kilometern. Sowohl die Raumkapsel als auch ihr Raketenantrieb landeten erfolgreich. In das Geschäft mit der orbitalen Raumfahrttechnologie stieg Blue Origin 2014 ein, zunächst als Raketentriebwerks-Lieferant. Bis 2015 gab es Pläne, eine eigene orbitale Trägerrakete namens New Glenn an der Raumfahrtküste Floridas herzustellen und von dort aus zu fliegen. Im Mai 2019 enthüllte Jeff Bezos die Vision für den Weltraum sowie Pläne für eine Mondlandefähre namens Blue Moon, die bis 2024 fertig sein soll. Am 30. April 2020 erhielt das Nationalteam von Blue Origin 579 Millionen Dollar für die Entwicklung eines integrierten Systems zur Landung von Menschen. Es ist Teil des Artemis-Programms der NASA zur Rückkehr des Menschen auf den Mond.

Virgin Galactic

Die geplanten Ticketpreise für Weltraumtouristen betragen bei Virgin Galactic 200.000 US-Dollar bei einer Anzahlung von 20.000 US-Dollar. Sein Flugzeug Space- ShipTwo ist für sechs Passagiere und zwei Piloten ausgelegt. Die Trägerrakete White Knight Two bringt das Flugzeug bis auf eine Höhe von 16 Kilometern. Dort wird es abgekoppelt und beschleunigt mit seinem Raketenmotor, um bis zur Kármán-Linie in 100 Kilometern Höhe vorzudringen. Die Zeitspanne zwischen dem Start des White Knight Two bis zur Landung des Space- ShipTwo beträgt zirka dreieinhalb Stunden. Die Schwerelosigkeit dauert nur ungefähr sechs Minuten. Passagiere können sich in dieser Zeit von ihren Sitzen abschnallen. Zusätzlich zu den suborbitalen Passagierflügen will Virgin Galactic das SpaceShipTwo für suborbital-wissenschaftliche Missionen vermarkten. Wann es soweit sein wird, ist fraglich. Das Unternehmen hat diese seit 2009 mehrfach verschoben und zuletzt – nach vielen herben Rückschlägen, bei denen auch Beschäftigte starben oder schwer verletzt wurden – nicht mehr datiert.

Ein Blick in die ewige Weite

Gefühlt herrscht aktuell Goldgräberstimmung gepaart mit der ehrgeizigen Vision eines John F. Kennedy: Große Unternehmen investieren massiv in die Erschließung des Weltalls. Zunächst mit neuer Technologie, später auch mit Passagieren außerhalb des Orbits. Ein vielversprechendes Geschäft, dessen Boom inzwischen auch in Deutschland angekommen ist, wo ein Weltraumbahnhof entstehen könnte. Die prognostizierten Anschubkosten seitens des Bundes sind mit 30 Millionen Euro nicht einmal hoch. Denkbar wäre eine mobile Startrampe in der Nordsee. Dort könnten künftig Miniraketen, sogenannte Microlauncher, abheben.

Felix ist Online-Berater bei New Communication und unser Spezialist für Reputation Management, App-Projekte und Voice-User-Interfaces. Der studierte Fachmann für Intermedia und Marketing probiert jeden vielversprechenden Internet-Trend umgehend selbst aus. Und bezeichnet sich daher zu Recht als digitale eierlegende Wollmilchsau. Ganz eindeutig eines unserer Lieblings-Tierchen.

Christopher Krawietz

Christopher ist Entwickler bei New Communication. Der studierte Medieninformatiker programmiert Web Apps, die gut und gerne als „crazy shit“ bezeichnet werden dürfen. Privat geht’s da deutlich bürgerlicher zu. Da findet man den eingefleischten Borussia-Dortmund-Fan nämlich entweder auf dem Fußballplatz oder im Wohnmobil. 1A-Kombi, finden wir.

Heiß auf Insider-Infos?

Immer up to date: Unser Newsletter versorgt Sie einmal monatlich mit brandneuen Trends und Innovationen aus der Kommunikationswelt.

Newsletter bestellen