Was ist Visual Thinking?

„Visual Thinking“ bedeutet übersetzt visuelles Denken. So weit, so offensichtlich. Durch verschiedene Methoden werden Informationen, Ideen, Gedanken und Sachverhalte auf bildlicher Ebene festgehalten und kommuniziert. Komplexe Themen werden so transparenter, greifbarer und dabei für einen Großteil der Rezipienten nachvollziehbar aufgezeichnet und ausgegeben.

Und wie? Visualisierung wird bspw. durch den Einsatz von Stiften, Papier, Karteikarten, White Boards, Software-Tools etc. ermöglicht.

Das Fundament für visuelles Denken bildet die Formel „Wahrnehmen = Denken = Gestalten“, die in den 60er Jahren durch Prof. Rudolf Arnheim entwickelt wurde. Der deutsch-amerikanische Psychologe lehrte an der Harvard University Kunstpsychologie und ist einer der Urväter des „Visual Thinking“.

Visuelles Denken ist kein Talent, mit dem nur wenige Auserwählte gesegnet sind. Bereits von Geburt an lernt der Mensch in Bildern zu denken, doch verkümmert dieses Talent bei vielen mit dem Heranwachsen. Wie ein untrainierter Muskel. Gleiches gilt fürs Zeichnen. Jeder Mensch kann zeichnen, doch vielen vergeht die Lust schon in der Kindheit aufgrund von frustrierenden Erfahrungen. Meistens genau an dem Punkt in der Entwicklung des Kindes, an dem die zeichnende Hand Übung und Anleitung bräuchte, um umzusetzen, was der denkende Kopf erdacht hat. Wird diese Hürde nicht genommen, verharren die zeichnerischen Fähigkeiten auf jenem kindlichen Niveau.

Sehen und Begreifen sind eng miteinander verknüpft – und oft grundlegend für die Prozesse in unserem Gehirn. 75 % unseres Hirns dienen schließlich der Verarbeitung optischer Eindrücke. Wer also nicht regelmäßig übt, visuell zu denken und zu zeichnen, lässt Potenziale verkümmern. Dabei bereichern bereits einfache Visualisierungen die Zusammenarbeit in Gruppen – und führen langfristig zu kreativerem und fantasievollerem Denken.

Visualisierungsvermögen ist eben auch ein Vermögen

Visuelles Denken in Unternehmen ist heutzutage wichtiger denn je. Unsere Welt verändert sich in einem rasenden Tempo und passt sich ständig neuen Trends, Erkenntnissen und Bedingungen an. So entstehen immer wieder neue Gesetze, technische Innovationen und ein wechselndes Konsumverhalten, das die Wirtschaft zum Handeln animiert. Durch dieses hochdynamische Umfeld werden traditionelle Formen der Zusammenarbeit mehr denn je infrage gestellt. Denn Bürokratie erstickt die Kreativität und führt dazu, dass Unternehmen nicht mehr schnell und vielseitig handeln können. Um dem Veränderungsdruck standzuhalten und das Arbeitstempo von Teams zu erhöhen, arbeiten Unternehmen daher mit Kanban-Boards, User Story Maps und Prototypen. Wird das Visualisierungs-Potential der Mitarbeiter*innen gefördert, funktionieren diese innovativen Arbeitsformen umso effektiver.

Die Basis für ein starkes Visualisierungsvermögen bilden einfache Techniken, die einige bereits bewusst oder intuitiv in ihrem Alltag einsetzen. Zum Beispiel das Arbeiten mit spielender Bildsprache in Notizbüchern oder auf Zetteln in Form von kleinen „Scribbles“ (übers.: Kritzeleien). Diese helfen unserem Gedächtnis dabei, die schriftlichen Notizen visuell zu verankern und damit: sie einfacher abrufbar zu machen. Auch der Einsatz von Metaphern in Gesprächen erzeugt schnelle Bilder im Kopf und hilft dabei, komplizierte Sachverhalte schneller zu kommunizieren. Vorhang auf: Kopfkino, sozusagen.

Methoden und Werkzeuge

Um Visualisierungen festzuhalten, kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Einige wären etwa:

  • Illustrationen
  • Infografiken
  • Sketch Notes
  • Graphic Recording
  • Graphic Facilitation

Illustrationen

Sie begleiten Texte auf visueller Ebene, um die Informationen zu erklären (illustrare = „erleuchten, erklären“). Häufig finden sich Illustrationen in Kinderbüchern, wo sie ganze Bildwelten schaffen und dadurch Geschichten noch lebendiger erscheinen lassen. Dazu tauchen Illustrationen oft im Editorial-Bereich von Magazinen oder auf Websites zur Unterstützung von Texten auf. Illustrationen werden häufig in speziellen Stilen aufbereitet und bilden dadurch eine sehr individuelle Ausdrucksform.

Infografiken

Infografiken dienen zur Visualisierung von Datenmengen und Zusammenhängen. Diese haben oft Ähnlichkeiten zu Sketch Notes, da sie ebenfalls Inhalte bildlich aufbereiten. Dennoch taucht eine Infografik deutlich tiefer in Daten ein, als es Sketch Notes aufgrund von Zeitdruck zulassen würden. Sie werden oft am Computer mit Vektoren erstellt und finden Verwendung in unterschiedlichen Bereichen. Eine große Bekanntheit genießen vor allem unterschiedliche Diagramm-Typen in Präsentationen etwa während Verkaufsveranstaltungen oder Business-Meetings.

Sketch Notes

Sketch Notes sind gezeichnete Notizen im Kleinformat mit persönlichem Fokus. Sie dienen dazu, die Gedanken schnell zu sortieren und werden handgemacht. Dabei muss eine Sketch Note nicht perfekt ausgestaltet sein, sondern soll dem Visualisierer dabei helfen, Klarheit zu bringen. Ein Anspruch, der nicht weniger hoch ist. Die visuelle Notiz kann z.B. bei To-Do-Listen, Brainstormings, Mindmapping-Sessions oder Meetings zum Einsatz kommen und protokolliert in gewisser Weise das Geschehen.

Graphic Recording

Graphic Recording ist eine visuelle Live-Dokumentation, meist im Großformat. Die Aspekte „Zuhören, Denken und Zeichnen“ spielen beim Graphic Recording eine wichtige Rolle. Dabei sind alle drei Aufgaben gleich wichtig – und müssen unparteiisch sowie objektiv ablaufen. Der Visualisierende versucht im Prozess des Graphic Recordings das Gesagte zu verstehen, um schließlich die Inhalte so klar wie möglich über durchdachte Zeichnungen wiederzugeben. Diese Methode kommt häufig bei Konferenzen oder auf Vorträgen zum Einsatz. Am Ende helfen die bildlichen Protokolle den Teilnehmer*innen, das Gesprochene wieder in Erinnerung zu rufen und das Gedächtnis anzukurbeln.

Graphic Facilitation

Graphic Facilitation beschreibt eine visuelle Prozessbegleitung und Moderation. Dabei unterstützt der Visualisierende die Gruppen bei ihrer Arbeit und kann aktiv in den Prozess eingreifen, um ihn mitzugestalten. So entwickelt sich die interne Kommunikation effektiver und produktiver, da Visualisierungen bei den Teilnehmer*innen Klarheit schaffen und komplexe Inhalte schneller erfasst bzw. diskutiert werden können. Diese Methode befähigt Teams und Mitarbeiter*innen auf den Ideen der anderen aufzubauen, fördert die Zusammenarbeit, Entwicklung und Innovation.

Fazit

Visuelles Denken schafft einen klaren und schnellen Blick für Lösungen. Dabei wird der Fokus auf das Wesentliche gelegt, um schnell und zielgerichtet Themen zu diskutieren und bildlich zu veranschaulichen. Durch einfache Elemente und Hilfsmittel (Symbole, Farben und Formen) ist visuelles Denken für alle Menschen geeignet und setzt kein großartiges zeichnerisches Talent voraus. Im Grunde ist es ganz einfach. Denn nicht umsonst heißt etwa eines der ersten und bekanntesten Bücher zum Thema „Auf der Serviette erklärt“.

Visuelles Denken hilft dabei ein gemeinsames Verständnis zu generieren, Zusammenhänge aufzuzeigen und Missverständnisse frühzeitig zu vermeiden. Damit ist es ein hochwirkungsvolles Arbeitstool für die Kommunikation in modernen Unternehmen. Nach außen wie nach innen.

Quellen:

•   „Visuelle Informationsverarbeitung im Gehirn“ - Karl R. Gegenfurtner, Sebastian Walter und Doris I. Braun

•   „Visuelles Denken: Stärkung von Menschen und Unternehmen durch visuelle Zusammenarbeit“ - Brand und Willemien, 2017

stephangrabmeier.de

sketchnote-love.com

publisher.ch

visualfacilitators.com

design-thinking-factory.fit.fraunhofer.de

Isabelle ist ganz frisch im New-Communication-Agentenkader. Außer den obligatorischen Lebenslauf-Daten (gähn) wissen wir also noch nicht viel über sie zu berichten. Aber keine Sorge. Die nächste Party kommt bestimmt. Und spätestens dann liefern wir die wirklich interessanten Infos (kicher).

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