Mein Hund ist eine ziemlich verwöhnte Töle. Natürlich hat sie einen Regenmantel – schließlich wird sie nicht gerne nass. Selbstverständlich hat sie auch einen Wintermantel, immerhin hat sie kein dichtes Unterfell. Spielzeug in quietschend (mehrere Ausführungen), nicht quietschend (zu wenig), Kuscheldecken, Bettchen, niedliche Halstücher, schicke Leinen. Das meiste davon in doppelter Ausführung – schließlich soll sie sich auch im Büro wohlfühlen. Und ich habe Ihnen noch nicht einmal von dem teuren Hundefutter für das kleine verfressene Prinzesschen erzählt.

Bürohund Edda beim Unboxing und Präsentieren ihrer Habseligkeiten

Ich weiß, was Sie sich fragen: Spinnt die Witt eigentlich? Vermutlich. Ganz von der Hand zu weisen ist es nicht. Aber immerhin bin ich nicht allein. Wenn ich in den Tierhandel meines Vertrauens gehe und dort die schier unendliche Auswahl an Tierbedarf sehe, weiß ich: Es scheint noch andere Menschen zu geben, die das kaufen. 2017 gaben die Deutschen rund 4,8 Milliarden Euro für ihre Haustiere aus. Überraschend: Nur ein kleiner Prozentsatz des Bedarfs wird dabei online gekauft.

Ein Großteil dieser Summe wird für Futter ausgegeben. Aber auch andere Bedarfsartikel treiben die Zahlen stetig nach oben. Und sei es das Luxushundekissen für geschmeidige 329 Euro (Größe M, passend für Mops und Co).

Der Markt ist enorm, Tendenz steigend. Und natürlich sind nicht nur wir Hundebesitzer so schmerzbefreit, wenn es darum geht, unsere plüschigen Freunde zu versorgen. Ich nehme an, dass auch der eine oder andere Katzenbesitzer sich dazu hinreißen lässt, Blödsinn für die Samtpfote zu kaufen. Bei Hamster-Haltern bin ich nicht so sicher. Aber vielleicht ist auch der Markt für ergonomische Laufräder riesig und mir bisher nur verschlossen geblieben. Wofür das Geld neben den naheliegenden und klassischen Artikeln wie Futter, Näpfe und Hundeleinen ausgegeben wird und wie so ziemlich jede Branche das Potential hat für Tierhalter attraktiv zu werden, zeige ich Ihnen gerne:

Unterwegs

Natürlich soll Ihr Hund* Sie auch unterwegs begleiten. Ob Tagesausflug mit dem Rad, Besuch von entfernten Verwandten oder im Urlaub – die Möglichkeiten, das Haustier mitzunehmen, nehmen stetig zu. Mehr und mehr Hotels stellen sich auf tierischen Besuch ein, bieten besondere Zimmer und stellen Näpfe bereit.

Für den eigenen Pkw sind es schon lange nicht mehr nur die Transportboxen, die man in der Tierhandlung findet. Längst konnten sich die Vierbeiner den Weg aus dem Kofferraum auf die Rückbank freischlagen. Extra große Schutzdecken verhindern, dass allzu viel Haare oder Schmutz auf die Sitze gelangen (Spoiler für Nicht-Tierhalter: Wirkt nur bedingt. Die Haare sind trotzdem Ü-Ber-All.) Besonderes Geschirr und Leinen-Adapter erlauben es den Hunden hinten recht sicher angeschnallt zu sitzen.

Wohn- und Reisemobilhersteller erkennen den Trend und bieten zusätzliche Tier-Ausstattungen an oder gar besondere Stauräume mit Fenstern. Klapp-Rampen helfen den älteren Vierbeinern, sicher ins Gefährt zu gelangen. Auch fürs Rad gibt es viel tierisches Zubehör. Fahrradkörbe mit und ohne Gitter, aber immer mit Sicherheitsgurten, Biker-Bags, und nicht zuletzt ganze Anhänger ermöglichen es auch nicht ganz so fitten Hunden, ihre Besitzer bei einer Radtour zu begleiten.

Smart Home

Leider ist es trotz der vielfältigen Möglichkeiten nicht immer möglich, den Hund mitzunehmen. Damit sich die Vierbeiner allein zu Hause nicht langweilen und auf dumme Ideen kommen, bieten zahlreiche Unternehmen Smart-Home-Lösungen an. Mit Kameras und Lösungen wie Furbo kann jeder Tierhalter via Smartphone prüfen, was in der Wohnung vor sich geht. Ein Klick und ein automatisches Leckerli-System wirft Futter aus, um von zu viel Schabernack abzulenken.

Andere Lösungen bringen Bewegung ins Spiel und sorgen dafür, dass Langeweile gar nicht erst aufkommt. Erst wenn der Wuff einen zuvor aus einem Gerät ausgeschossenen Ball zurückbringt, bekommt er ein Leckerli. Natürlich lässt sich auch die Wurfweite einstellen.

Der Pebby-Ball hingegen benachrichtigt den Besitzer, wenn ein einsamer Hund zu laut bellt oder unruhig wird. Via Smartphone kann dann eine vorher aufgenommene Nachricht auf dem Ball abgespielt werden, um den Hund vom Bellen abzubringen oder zu beruhigen. Damit der Hund auch genug Bewegung bekommt, eignet sich der Pebby natürlich auch zum Spielen – und ist mit einem passenden Fitnesshalsband gekoppelt. Schließlich sollte jeder Hund genug Bewegung haben. Das ersetzt zwar keine gemeinsamen Spaziergänge, hilft aber vor allem Frauchen und Herrchen über das schlechte Gewissen den Hund allein gelassen zu haben hinweg.

Personalisierung

Der eigene Hund ist immer der beste. Das muss man natürlich auch der restlichen Welt deutlich machen. Klar, dass auch hier die Möglichkeiten unendlich sind – sowohl für den Hund als Halter. Leinen und Näpfen mit den Namen des Lieblings sind hier schon die beinahe langweiligsten Produkte. Echte Individualisten lassen sich das Bild ihres Hundes auf Socken drucken und laufen mit Friendship-Halsketten für Herr und Gescherr umher.

Nachhaltigkeit

Zugegeben: Ein Haustier zu halten ist nicht unbedingt nachhaltig. Dennoch gibt es Möglichkeiten, auch hier den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Angefangen bei Tierfutter aus nachhaltigem Bioanbau bis hin zu nachhaltigem Spielzeug. Auch hier wächst der Markt mit seinen Aufgaben und schon länger haben schlichte Plastikbälle ausgedient. Bio-Futter und umweltfreundliche Verpackungen sind ebenfalls im Kommen.

Immer nachhaltiger werden auch die Schietbüttel. Meist bestehen diese Schietbüttel noch aus Plastik – doch das ändert sich zunehmend. Ob Beutel aus kompostierbaren Materialien wie Maisstärke oder Papp-Aufheber von PooPick – der Markt schläft auch hier nicht.

Fazit

Wir wissen, dass wir schätzungsweise 80 % der Waren für Hund, Katze, Maus und Halter vermutlich nicht wirklich brauchen. Das hält jedoch viele von uns nicht ab, sich sämtliche Neuheiten zunächst kopfschüttelnd zu betrachten, um sie dann in einem schwachen Moment doch in den Einkaufswagen zu legen. Was auffällt: Die Trends der Branche haben verblüffende Ähnlichkeit mit den allgemeinen Marketingtrends, die uns gerade beschäftigen. Ob Smart Home, Nachhaltigkeit oder Personalisierung – auch in diesem Bereich wollen wir, dass unsere Haustiere uns in nichts nachstehen. Den Tieren ist es egal. Solange genug Streicheleinheiten und Futter für sie dabei rauskommt, sind sie zufrieden. Aber genau das wollen wir ja auch erreichen. Zufriedene Haustiere. Eben alles für den Dackel, alles für die Katz. Und ist das Haustier glücklich, ist es auch der Mensch.

 

*Katzen sind selbstverständlich mitgemeint, werden aber aufgrund der Lesbarkeit nicht jedes Mal explizit mit aufgezählt.

Quellen:

statista.com

smart-wohnen.de

mtp.org

zukunftsinstitut.de

Jana sorgt als ausgebildete Social-Media-Managerin und Expertin für Public Relations und Newsletter-Marketing bei New Communication dafür, dass ihre Kunden im Rampenlicht stehen. Als Fachfrau für Krisenkommunikation, Blogger-Relations und Investor-Relations trifft sie immer den richtigen Ton. Kein Wunder, dass die studierte Anglistin- und Skandinavistin privat dem medialen Getöse gern mal den Rücken kehrt und in Norwegen Schnee- statt Shitstorms die Stirn bietet.

Edda Agenturhund

Edda ist seit Juni 2018 der Agenturhund. Wenn sie nicht gerade laut schnarcht, sucht sie nach Leckerli und Streicheleinheiten.

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