Seit der Europawahl hat sich gezeigt, dass das politische Koordinatensystem und gesellschaftliche Wertesystem neu aufgestellt wird. Die Analyse der Wählerbewegungen ist auch für die deutschen Unternehmen sehr interessant.

Auch für den Unternehmer lohnt sich eine Analyse der Wahlergebnisse der Europawahl

Die Partei mit den meisten Stimmanteilen der Wahlberechtigten unter 60 Jahren bei der Europawahl am 26. Mai 2019 sind die Grünen. Deutlich ist auch die Auswertung nach den Bildungsabschlüssen. Je höher der Bildungsabschluss, desto deutlicher die Zustimmung für die Wahlkampfthemen der Grünen. Das zeigt, dass vor allem der Klimawandel ein Thema ist, das die Wähler beschäftigt.

Dieses Wahlergebnis wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus. Denn eben diese Wähler, die zu so einem Wahlergebnis beigetragen haben, sind auch eine nicht zu verachtende Zielgruppe vieler Unternehmen. Und das in doppelter Hinsicht: als Kunde und als Mitarbeiter. Im Umkehrschluss bedeutet das eine Menge unternehmerische Hausaufgaben. Der clevere Unternehmer erkennt diese Entwicklung und postuliert eigene Klimaziele fürs Unternehmen und macht sich an deren Umsetzung. Die möglichen Ziele sind sehr unterschiedlich. Hier eine kleine Auswahl:

Geschäftsreisen

Weniger Geschäftsreisen oder Geschäftsreisen mit umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln ist hier die Devise. Webinare und Telefonkonferenzen ersetzen immer mehr den persönlichen Besuch. Auch smarte Kollaborationslösungen vermindern das Geschäftsreiseaufkommen.

Wer geschäftlich auf die Bahn setzt, braucht tolerante Geschäftspartner und viel Demut. Zu oft fallen Züge aus, durch Verspätungen verpasst man den Anschlusszug und verhindert damit pünktliches Erscheinen beim Termin. Wer das aber in Kauf nimmt und mehr Zeit einplant, kann einen wertvollen Beitrag leisten.

Arbeitnehmer-Fahrten zum Arbeitsplatz

Die Verbesserung des Modal-Splits der Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit kann ein weiteres unternehmerisches Ziel sein. Das bedeutet kurzum alles dafür zu tun, dass immer weniger Mitarbeiter mit dem eigenen PKW zur Arbeit kommen. Unternehmen können beispielsweise Anreize schaffen, die Arbeitnehmer davon zu überzeugen, dass diese nicht alleine mit dem eigenen PKW fahren, sondern umweltfreundlichere Alternativen wählen.

Hier ist das Jobrad eine gute Option für alle Arbeitnehmer, die im Radius von rund 20 km zur Arbeitsstätte entfernt wohnen. Einher mit dem Jobrad-Angebot sollten die Mitarbeiter ihre Fahrräder sicher und geschützt auch auf dem Unternehmensgelände parken können. Fahrtkostenzuschüsse zu ÖPNV-Tickets können darüber hinaus attraktive Anreize sein, sich über die Wahl des Mobilitätsträgers Gedanken zu machen.

Denjenigen, die zu weit entfernt wohnen, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder derart schlecht angebunden sind, dass öffentliche Verkehrsträger keine Option darstellen, bleibt noch die Home-Office-Option (klimatechnisch die beste Lösung) oder das Bilden von Fahrgemeinschaften. Findige Arbeitgeber haben hier schon innerbetriebliche Fahrgemeinschaftsbörsen eingerichtet.

Fuhrpark

Eine Zukunftsaufgabe besteht darin, den eigenen Fuhrpark umzustellen und den Anteil der CO2-Emissionen durch den eigenen Fuhrpark drastisch zu reduzieren. E- oder Hybrid-Mobilität in Kombination mit grünem Strom ist hier sicherlich richtungsweisend. Und wenn Wasserstoff als Antriebsform in Frage kommt, kann später auch das eine Option sein.

Verkehr und Transport

Die Logistikbranche optimiert schon lange Fahrten und Strecken. Elektroantriebe sind bislang wegen der geringen Reichweite keine wirkliche Alternative. Deswegen sind Transport per Bahn oder möglicherweise Elektrifizierung von Autobahnen die besten Optionen.

Interne Ressourcen

Ein weiteres Thema ist der ressourcenverbrauch in den Geschäftsprozessen. Die meisten Unternehmen haben schon immer darauf geachtet, dass mit Unternehmensressourcen sehr sparsam umgegangen wird. Eine Schlüsselfunktion bildet in diesem Kontext die Digitalisierung. Durch die Digitalisierung von internen Prozessen kann sehr viel Papier, aber auch spürbar Porto gespart werden.

Verpackungsumstellung

Eine Verpackungsumstellung stellt für viele Unternehmen die härteste zu knackende Nuss dar. Verpackungen müssen transportstabil und hygienisch unbedenklich sein, sowie oftmals die Ware vor Licht und anderen äußeren Faktoren schützen. Auch Gewicht oder Verletzungsgefahr z. B. durch Glasbruch spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Der Markt an ökologischen Verpackungsalternativen und Verpackungsrecyclinglösungen wird in den nächsten Jahren sicher rasant steigen.

Energieverbrauch

Durch die Umstellung auf Maschinen und Geräte mit niedrigerem Stromverbrauch, konsequentem Einsatz von LEDs in Beleuchtungslösungen und natürlich Isolierung von Gebäuden und Energierückgewinnungssystemen, können Unternehmen Strom und Heizkosten sparen.

Energieerzeugung

Einige Unternehmen setzen bereits auf die Gewinnung von eigener Solar- oder Windenergie oder nutzen Erdwärme. Beim Zukauf weiterer Energie kann ein Unternehmen auf einen ökologischen Energiemix setzen, um die eigene Klimabilanz zu verbessern.

Post-Wachstum

Der größte unternehmerischer Wandel hingegen besteht darin, sich nicht mehr unermüdlich Wachstumsziele zu setzen, sondern stattdessen ökologische oder soziale Ziele in den Vordergrund zu rücken. Auch der Begriff und die Maxime des Shareholder-Values müssen in diesem Sinne neu definiert werden.

Fazit

Wir könnten in Deutschland vor einer neuen Ära der Unternehmensführung stehen. Die unternehmerische Verantwortung hat nun einen weiteren Schwerpunkt erhalten. Unternehmen, die ihre Hausaufgaben in puncto klimabewusster Unternehmensführung schon gemacht haben, sind gut beraten ihre Maßnahmen in Nachhaltigkeitsberichten zu veröffentlichen. Diese sollten jedoch leicht konsumierbar bleiben und nicht in wissenschaftliche Fachaufsätze münden. So können nicht nur andere Unternehmen von den erfolgreich umgesetzten Maßnahmen lernen, es entsteht ganz nebenbei auch geeigneter Social-Media-Content.

Die Kunden und Mitarbeiter der Zukunft wird es Ihnen sicher danken.

Sören ist Geschäftsführer von New Communication. Der studierte Betriebswirt ist immer auf der Jagd nach neuen Herausforderungen. Wenn er die in der Gegenwart nicht findet, sucht er sie in der Zukunft – in Form von Trends, die die Marketing-Welt bewegen. Und weil Zeitreisen für Sören nicht genügen, überrascht er im Anschluss die gesamte Belegschaft mit Stunt-Training. Ehrensache, dass wir auch dort für ihn durchs Feuer gehen.

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