Was haben Fynn Kliemann, die altehrwürdigen Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s, die Rockband Kings of Leon oder Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gemeinsam? Das Thema des Artikels nimmt die Pointe natürlich vorweg: NFT.

Sie alle mischten nämlich schon im letzten Jahr kräftig mit – seit im Januar 2021 der Boom um das damals nächste große Blockchain-Ding so richtig entbrannte.

Und damit waren sie nicht allein. Bereits in der ersten Jahreshälfte 2021 wurden mittels NFT Verkaufserlöse von 2,5 Milliarden Dollar erzielt. Und auch ein Jahr später ist kein Ende der Begeisterung für NFT in Sicht.

Ein Schritt zurück: Was sind denn jetzt NFT?

Non-Fungible Tokens, also nicht-ersetzbare (Wert-)Marken, sind digitale Objekte, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Im Unterschied zu anderen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Dogecoin enthalten die einzelnen Datenblöcke der Kette dabei so individuelle Werte, dass sie einzigartig wie ein Fingerabdruck werden. Grundsätzlich sind NFT damit nichts weiter als digitale Münzen. Die Anzahl dieser Münzen kann dabei von der Uhrheber*in festgelegt werden.

Da dieses Münzpaket nun ein digitales Produkt ist, muss es zwangsläufig irgendwo abgespeichert werden. An dieser Stelle kommt die eingangs erwähnte Blockchain ins Spiel. Im Falle von NFT wird meist auf die Chain des Anbieters Ethereum zurückgegriffen.

Auf der Blockchain kann dann jede Transaktion eines NFT nachverfolgt werden. Folglich auch die aktuelle Besitzer*in des jeweiligen Datenpakets. Diese Protokolle – Smart Contracts genannt – bilden Eigentumsverhältnisse, die Art von Bildrechten und Lizenzen oder andere wichtige Informationen ab. Virtuell und dennoch unmöglich zu kopieren. Oder anders ausgedrückt: Ich kann einen Bitcoin gegen einen Bitcoin tauschen und nichts ändert sich. Tausche ich einen NFT gegen einen NFT hat jemand anderes meinen ehemaligen NFT und ich seinen ehemaligen.

Besonders interessant, für alle, die ganz heiß darauf sind, in NFT zu investieren: Der Wert eines NFT ist abhängig vom Preis der Kryptowährung, die für den Kauf des NFT verwendet wird. Auch die generelle Nachfrage am Markt spielt eine Rolle. Heißt in der Konsequenz: Ein NFT kann einen Cent oder auch eine Million Euro wert sein.  Gerade zu Beginn rief die neue Technologie damit vor allem den Kunstmarkt und vermögende Investoren auf den Plan. Schlagzeilen machten zum Beispiel kuriose Fälle wie der Verkauf des ersten Tweets, den Twitter-Gründer Jack Dorsey seinerzeit zur Einrichtung seines Kontos veröffentlichte. Umgewandelt in einen NFT brachte der Tweet fast drei Millionen Dollar Verkaufserlös ein.

Ein Schritt weiter: Was bedeuten NFT fürs Marketing?

Neben dem digitalen Handel von einzigartigen Kunstwerken und Millioneninvestments in digitale Kuriositäten wie Tweets, Katzen-Memes oder Wikipedia-Artikel stellt sich natürlich die Frage: Können NFT eine Bedeutung für das vermeintlich normale Leben und das digitale Konsumverhalten haben?

Die Antwort: So sicher lässt sich das noch nicht sagen, doch das Potenzial ist riesig. Und in einem solchen Klima von Ungewissheit und Verheißung überrascht es nicht, dass sich unter den ersten Marken, die sich mit eigenen NFT-Konzepten und Projekten hervorgetan haben, zunächst einmal Riesen wie Coca-Cola, McDonalds oder eben Adidas befanden. Unternehmen, bei denen der PR-Zweck manchmal schlicht die Mittel heiligt, die in die Entwicklung investiert werden müssen.

Doch es geht nicht nur um Brand-Awareness und das digitale Sehen und Gesehen-werden. Auch gezielte Erlöse besonders im Lizenzbereich scheinen äußerst vielversprechend zu sein. Man denke etwa an digitale Tickets, Musik oder Filme, die mittels NFT gezielt an Nutzungsrechte gekoppelt und endgültig vor der illegalen Kopie geschützt werden könnten.

Doch es geht auch etwas abstrakter. So nutzt Technikriese IBM NFT, um die eigene Lieferkette nachvollziehbarer und transparenter zu gestalten. So werden aus schönen Worten und Nachhaltigkeitsversprechen an die Kunden Hard Facts zum selbst tracken. Für eine Käufer*innenschaft, die mehr und mehr Wert auf Purpose, Fairness und Nachhaltigkeit bei der Produktwahl legt, sicherlich ein Faktor, der irgendwann zum Zünglein an der Waage werden könnte.

Und auch NGOs entdecken die Möglichkeiten von NFT. Der WWF Deutschland startete Ende 2021 eine Kampagne, die nicht nur auf das Artensterben hinweisen, sondern gleichzeitig Mittel akquirieren sollte, um die eigene Mission zu unterstützen. Gemeinsam mit verschiedenen internationalen Künstler*innen schuf man limitierte digitale Bilder unterschiedlicher Arten, die derzeit ums Überleben auf unserem Planeten kämpfen. Die Limitierung des jeweiligen NFT richtete sich dabei nach den tatsächlich verbleibenden Restexemplaren der jeweiligen Art. Der Preis eines NFT-Tierbildes liegt zwischen 69 Euro (Panda) und 339 Euro (Amur-Tiger). Bislang generierte der WWF auf diese Weise Einnahmen von über 200.000 Euro.

NFT im Metaverse: digitaler Konsum für eine digitale Welt

Die Diskussion, warum Menschen Geld für einen einzigartigen digitalen Gegenstand ausgeben sollten, erübrigt sich spätestens in einer Welt, in der die Grenzen zwischen analogem und digitalem Raum endgültig verschwimmen.  Und vor dem Hintergrund einer solchen Zukunftsperspektive finden die meisten derzeitigen NFT-Projekte vieler Marken statt. Von virtueller Designer-Kleidung bis zur digitalen Collectors Edition von Toilettenpapier oder einer Bierdose – viele Marken machen sich dabei nicht einmal mehr die Mühe, einen vermeintlichen Nutzen für die physische Welt auch nur vorzutäuschen. Neben solchen Goodies, digitaler Kleidung für Avatare und Games oder der Teilnahme an Events und Konzerten zeigen einige Projekte jedoch, warum durchaus von einer virtuellen Welt die Rede ist.

Das Auktionshaus Sotheby’s betreibt seit einiger Zeit etwa eine eigene Filiale in der Open World der Digital-Plattform Decentraland, in der – natürlich – NFT-Kunst gehandelt wird. Auf digitalen Grundstücken entstehen digitale Häuser. Und wer sagt eigentlich das Jobs nicht auch zukünftig im Metaverse stattfinden könnten? Bei der großflächigen Eroberung und Bevölkerung solcher virtuellen Welten kämen NFT eine technologische Schlüsselrolle zu.

Fazit

Der langfristige Erfolg von NFT hängt eng mit der Entwicklung digitaler Lebenswelten wie dem Metaverse zusammen.

Singularität und Individualität schaffen Identität. Und wo immer sich Menschen bewegen werden und einen Großteil ihrer Zeit in einem – wie auch immer gearteten – öffentlich Raum verbringen, wird es ein Bedürfnis nach identitätsstiftenden Bestimmungspunkten geben. Dies umfasst sowohl Elemente des Konsums, der Freizeitgestaltung wie optischer Parameter. Vom digitalen Turnschuh bis hin zur Teilnahme an exklusiven Events oder virtuellen Räumlichkeiten.

Die Limitierung, also das wirklich begrenzte Vorhandensein einer Sache ist dabei eine notwendige Voraussetzung für ihren Wert. Drastisch gesprochen wird Sauerstoff erst dann so richtig wertvoll, wenn er nur noch begrenzt zur Verfügung steht. Vor NFT war jedes digitale Element theoretisch reproduzierbar, austauschbar und damit nicht in der Lage, auf die gleiche Weise zu existieren wie ein physisches Objekt – egal ob originaler Monet oder alter Pulli. NFT ändern dieses zuvor natürlichen Umstand grundlegend. Das erklärt (und rechtfertigt) ihre enorme Strahlkraft zurzeit.

Dennoch: Ohne eine etablierte digitale Ebene der gesamtgesellschaftlichen Realität (ob nun Metaverse, Decentraland oder Konkurrenz) wird sich die Bedeutung von NFT auch weiterhin auf digitale Kunst, Kuriositäten oder Gimmicks für Videospiele beschränken.  

Aber mit ihr ist all dies nur der Auftakt.

Quellen:

sothebys.com

theverge.com

reuters.com

theverge.com 2

t3n.de

omr.com

wwf-nfa.com

upland.me

decentraland.org

zdf.de

blockchainwelt.de

de.cryptonews.com

unxd.com

Alex ist ein Mann mit vielen Talenten. Er ist Kundenberater für digitale Kommunikation. Texter. Uni-Absolvent in Geschichte und Philosophie. Vollblut-Nerd. Papa. Früher mal Song-Schreiber. Und noch früher ein Kind der 90er in Nordwestmecklenburg. Pures Glück also, dass er bei uns und nicht in einem Roman von Heinz Strunk gelandet ist.

Christopher Krawietz

Christopher ist Entwickler bei New Communication. Der studierte Medieninformatiker programmiert Web Apps, die gut und gerne als „crazy shit“ bezeichnet werden dürfen. Privat geht’s da deutlich bürgerlicher zu. Da findet man den eingefleischten Borussia-Dortmund-Fan nämlich entweder auf dem Fußballplatz oder im Wohnmobil. 1A-Kombi, finden wir.

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