Um diesem Ruf gerecht zu werden, machen sich zunehmend Menschen für die Digitale Ethik als moderne, philosophische Disziplin stark. Die Marschrichtung ist klar: Die Reflexionsfähigkeit der Menschen in digitalisierten Lebensbereichen muss weiter gefördert werden, um Konflikte im globalen Spannungsfeld von Menschen und Maschinen lösen zu können. Und auch Unternehmen sind gut beraten, sich mit der Digitalen Ethik zu beschäftigen, weist sie doch in vielen, bizarren Einzelfällen die eigene, moralische Notwendigkeit auf.

Was ist Digitale Ethik?

Die Digitale Ethik behandelt moralische Fragen, die sich thematisch mit der Digitalisierung auseinandersetzen. So braucht es Regeln und Handlungsspielräume für Konfliktsituationen, die durch den digitalen Wandel und die Erfassung von Daten aufkommen. Freiheit und Privatsphäre sind dabei in einer sich schnell verändernden Gesellschaft zentral. Denn im Kontext der Digitalisierung sollte auch Solidarität und Gerechtigkeit neu gedacht werden. Dabei geht es nicht darum, völlig neue Werte und Normen zu formulieren, sondern bestehende ethische Maßstäbe bewusst für eine digital geprägte Gesellschaft zu übersetzen.

Warum sind digitale Werte so wichtig?

Maschinen werden innerhalb weniger Generationen einen Großteil der heute menschlich ausgeführten Arbeitstätigkeiten besser, schneller und kosteneffizienter vollbringen können. Zum jetzigen Stand handelt es sich bei KI-Systemen allerdings nur um spezifische Anwendungen für kleine Anwendungsbereiche. Sie lassen sich bei weitem noch nicht mit der menschlichen Intelligenz vergleichen. Maschinen können demnach auch keine Verantwortung für ihr Tun übernehmen, denn sie sind für sich alleine genommen nicht gut. Aber auch nicht böse. Verantwortlich ist darum nach wie vor der Mensch. Deswegen ist es so wichtig, dass der Mensch lernt, KI richtig zu nutzen. Wir müssen digital mündig sein. Das bedeutet, dass wir unser eigenes Handeln im digitalen Raum selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten. Dazu müssen wir wissen, was wir tun, um die Folgen unseres Handelns abschätzen zu können. Schließlich kann dieses Handeln negative Folgen haben. Nämlich dann, wenn wir einer KI zu viel Vertrauen schenken. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass Algorithmen eine ähnliche Voreingenommenheit aufweisen (Stichwort: „biased KI“) wie die Menschen, die sie programmiert haben. Eine KI ist nur so gut oder schlecht, wie die Daten, die ihr zur Verfügung gestellt wurden. Sind diese Daten einseitig, unvollständig oder voreingenommen, so ist das auch die KI. Dies macht eine ethische Betrachtungsweise an dieser Stelle somit unverzichtbar.

Digitale Ethik in Unternehmen

Die Digitale Ethik lässt uns Aspekte der Digitalisierung hinterfragen und stößt Diskussionen an, die Auswirkungen auf unseren Alltag haben könnten. Die Herausforderungen, mit denen sich die Experten*innen auseinandersetzen, sind damit für Unternehmen also nicht nur zugunsten besserer Wettbewerbsfähigkeit bedeutsam. Die Digitalisierung wird weltweit weiterhin starke Veränderungen mit sich bringen, denen sich die Gesellschaft stellen muss. Und auch Unternehmen werden sich als Teil dieser Gesellschaft nicht der Verantwortung entziehen können.

Der aktuelle Stand in deutschen Unternehmen

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) fordert einen breiten gesellschaftlichen Dialog mit Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft. Dies wirkt sich auch auf die Arbeit in Unternehmen aus. Eine Unternehmenskultur, die bereits Werte für den Umgang unter Mitarbeiter*innen und Kund*innen umfasst, muss in Zukunft Richtlinien für den Umgang mit der Digitalisierung beinhalten. Hier setzt die Digitale Ethik an: Sie fragt nach möglichen Grenzen im Umgang mit KI, Möglichkeiten, um unerwünschte Folgen im Einsatz mit neuer Technologie zu verhindern und nach dem geschulten Umgang mit digitalen Informationen durch Mitarbeiter*innen. Leider zeigen Statistiken: Deutschen Unternehmen fehlen aktuell noch umfassende Strategien zur Digitalen Ethik.

Tipps für Unternehmen

  1. Legen Sie Standards fest und verfassen Sie Leitlinien.
  2. Stellen Sie qualifiziertes Personal ein, das digitale Techniken transparent und ethisch vertretbar nutzen kann.
  3. Bieten Sie Weiterbildungsprogramme an.
  4. Legen Sie Beauftragte für ethische Fragen fest.
  5. Stärken Sie das Bewusstsein für Digitale Ethik durch Schulungen und Workshops.

Marken wollen unsere Träume beeinflussen

Träume sind wohl unser privatester Rückzugsort, denn niemand kann wirklich miterleben, was sich nachts in unseren Köpfen abspielt. Wie kann es da möglich sein, in unsere nächtlichen Fantasievorstellungen einzudringen, um sie gezielt zu steuern? Das Phänomen, Träume bewusst durch Geräusche und Gerüche zu manipulieren, nennt die Forschung „Targeted Dream Incubation“. Diese Technik wird hauptsächlich im klinischen Kontext genutzt, um Süchten oder Ängsten entgegenzuwirken. Doch auch andere Branchen versuchen sich daran. So startete eine amerikanische Biermarke vor einigen Monaten einen Versuch mit Freiwilligen. Das Experiment verlief eher erfolglos und die Interpretationen daraus waren fragwürdig. Nach derzeitigem Forschungsstand sind Träume jedoch ausschließlich eine Reflexion der Gedanken, die uns tagsüber wirklich beschäftigen. Unwichtige Ereignisse, wie zum Beispiel Werbeclips, schaffen es daher selbst mit gezielter Trauminkubation nicht in unsere private Gedankenwelt.

Mehr als ein Mensch: Transhumanismus

Höher, weiter, besser. So lautet der Ansatz des Transhumanismus. Denn warum sollte man sich damit begnügen, Mensch zu sein, wenn man mehr sein könnte? Vertreter*innen dieser philosophischen Denkrichtung gehen davon aus, dass die nächste Evolutionsstufe des Menschen nur durch die Fusion mit Technologie erreicht werden kann. Die Grenzen menschlicher Möglichkeiten sollen durch technologische Verfahren verschoben werden. Das gilt vor allem für Intelligenz, Physis und Psyche. Technischer Fortschritt in den Bereichen Robotik, Gentechnik, Klonen und Digitalisierung soll dazu dienen, die Leistungsfähigkeit von Menschen zu steigern.

Dass diese Denkrichtung potenziell ethisch fragwürdig ist, liegt auf der Hand. Da Digitalisierung und Robotik in die Forschungsgebiete der Digitalen Ethik fallen, werden digitale Werte in Zukunft auch für das transhumanistische Denken von Relevanz sein. Vertreter*innen des Transhumanismus stehen nach eigener Aussage für Vertrauen in die Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten des Menschen, sowie die Verbesserung des Lebens für jeden Einzelnen und die Gesamtheit durch Technologie und Fortschritt. In der Realität weisen die Entwicklungen jedoch auch andere, ethisch nur bedingt vertretbare Tendenzen auf – wie das Beispiel einer jungen amerikanischen Unternehmerin zeigt:

Die Digitale Seele: Die junge US-Unternehmerin Eugenia Kuyda verarbeitete den Tod ihres geliebten Freundes Roman auf ihre eigene Weise. Sie speiste alle Nachrichten von ihm in ein künstliches, neuronales Netzwerk ein, sodass sie einen Chatbot erschuf, der wie Roman schrieb und antwortete. Im Anschluss freundete ‘‘Go Roman‘‘ sich im Internet mit unzähligen Menschen an. So konnte Eugenia nicht nur Abschied nehmen, sondern schuf aus diesen Erfahrungen später auch die App ‘‘Replika‘‘, die Menschen und Maschinen emotional verbindet.

Fazit

Ethisches Handeln fällt selbst uns Menschen nicht (immer) leicht. Zu verschieden ist unser Verständnis von Moral. Wer glaubt, stets ethisch korrekt zu handeln, der sollte sich die Moral Maschine vom MIT ansehen. Sie macht deutlich, welche Überlegungen und Abwägungen unser Handeln beeinflusst. Ist es da richtig, solche Entscheidungen Technologien zu überlassen? Handeln sie wirklich besser und rationaler als wir? Und ist rational automatisch richtig? Darüber sollten wir weiterhin sprechen.

Quelle:

pwc.de, avantgarde-experts.de, bvdw.org, gesellschaft-digitale-ethik.org, zukunftsinstitut.de, industry-of-things.de Hans Block & Moritz Riesewieck – Die digitale Seele: Unsterblich werden im Zeitalter Künstlicher Intelligenz

Patrick ist Nachwuchs-Agent für Marketingkommunikation bei New Communication. Der gebürtige Nordhesse bereichert unseren Agentenkader mit Erfahrungen aus Gastronomie, Modehandel, Lehramt und Medienproduktion. Perfekt: So serviert er unseren Kunden fesche Trends, die Schule machen.

Jana sorgt als ausgebildete Social-Media-Managerin und Expertin für Public Relations und Newsletter-Marketing bei New Communication dafür, dass ihre Kunden im Rampenlicht stehen. Als Fachfrau für Krisenkommunikation, Influencer Relations und Investor-Relations trifft sie immer den richtigen Ton. Kein Wunder, dass die studierte Anglistin und Skandinavistin privat dem medialen Getöse gern mal den Rücken kehrt und in Norwegen Schnee- statt Shitstorms die Stirn bietet.

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