Innovativ sein. Zukunftsfähig bleiben. Entwicklungen absorbieren. Marktposition behaupten und Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Das sind typische Buzzwords, wenn es um unternehmensinterne Argumentation für Innovationen geht. Aber auch nach außen gibt sich jedes Unternehmen am liebsten innovativ. Laut einer repräsentativen KfW-Umfrage sind dabei nur 22 % der mittelständischen Unternehmen nachweislich innovativ. Es gäbe zwar einen Innovationsprozess, Kreativität werde aber nur teilweise oder gar nicht geschätzt. Das gaben 71 % der Befragten in Großunternehmen an im Rahmen einer Studie von Innolytics. Was ist da los?

Wider den Zufall: Innovationsmanagement

Unternehmen müssen nicht auf Meister Zufall vertrauen. Sie können Produktverbesserungen und Neuerungen auch gezielt vorantreiben. Ein Innovationsprozess führt systematisch von der Strategie über Gegenstandsbereiche, Veränderungsumfänge, Auslöser und Neuigkeitsgrade von Innovationen. Der Prozess kann sich nach innen richten oder nach außen. Und die Ergebnisse können radikale Verbesserungs- oder Routineinnovationen sein. Manchmal fallen auch Scheininnovationen wie eine neue Verpackung dabei ab. Aber der Reihe nach:

Ablauf des Innovationsprozesses

1. Suchfelder definieren

In welchen Bereichen sind Innovationen gesucht oder erwünscht? Oft gibt die Unternehmensstrategie eines oder mehrere Suchfelder vor. Zum Beispiel Marktentwicklungen und -bedürfnisse. Kundenzentrierte oder kompetenzbasierte Lösungen. Sollen Prozesse optimiert werden? Oder sind visionäre Ansätze gesucht? Auch Trends und technologischer Fortschritt spielen eine Rolle.

2. Ideen sammeln – Ideen generieren

Für ausgewählte Suchfelder setzt man anschließend Kreativsessions an. Für jede Teamgröße und Verfahrensweise stehen geeignete Methoden und Techniken zur Verfügung: Morphologische Matrix. Synektik. Mindmapping. Crossinnovation. Delphi-Methode. SCAMPER. Brainwriting. Ein Innovationsmanager wird dabei z. B als Moderator aktiv.

Wie so ein Ideenfindungs- und Kreativprozess ablaufen kann, vermitteln wir übrigens in unserem Kreativworkshop am 28.9. in Kiel.

3. Ideen bewerten

Erst wenn die Ideenfindungsphase abgeschlossen ist – als Ganzes oder in einzelnen Sessions – werden Ideen be- und ausgewertet. Als Kriterien für eine grobe Vorauswahl dienen zum Beispiel potenzielle Umsetzbarkeit, Attraktivität und Einzigartigkeit. Anschließend werden die verdichteten Ansätze auf Ideensteckbriefen dargestellt, direkt miteinander verglichen und für die Finalrunde bewertet. Gelegentlich liegt schon eine nützliche Verbesserungs- oder Routineinnovation vor.

4. Grobkonzept

Für jede Finalistenidee erfasst man unternehmerische Rahmenbedingungen, Systemgrenzen, Ziele und Erwartungen sowie angedachte Ressourceneinsätze. Man projektiert Phasen und Meilensteine, Termine, Rollenverteilungen, aber auch Risiken. Der Innovationssteckbrief enthält Informationen zur Idee. Marktpotenziale. Mögliche Geschäftsmodelle. Einen Patent- und Technologiecheck sowie Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Alle verfügbaren Daten sind im Grobkonzept zusammengefasst. Sie werden final miteinander verglichen und bewertet.

5. Umsetzungskonzept

In den 4 bisherigen Schritten wurden hunderte Ideen generiert, miteinander kombiniert, verglichen, bewertet und verworfen. Erst im Umsetzungskonzept arbeitet man schließlich vorhandene und neu gewonnene Informationen zu einem marktreifen Produkt oder Businessplan aus.

6. Realisierung

Neben der technischen oder organisatorischen Umsetzung gilt es oft noch, eine weitere große Herausforderung zu bewältigen: das interne Innovationsmarketing. Heißt: alle Beteiligten ins Boot holen. Informieren. Für die Einführung und Umsetzung werben. Für Akzeptanz sorgen. Ggf. Unsicherheiten abbauen – umso intensiver, je komplexer und radikaler die Neuerung ist.

Innovationskultur

Aber findet Kreativität nur in geschützten oder temporär geschaffenen Räumen oder Teams statt? Klingt wie Dienst nach Vorschrift. Für eine Unternehmenskultur der Innovation brauchen Sie jedoch eine Grundstimmung, die permanent im Kreativmodus schwingt.

Bauen Sie Innovations-Barrieren ab: strenge Hierarchien, Abteilungsdenken, Vergangenheitsfokus, Null-Fehler-Toleranz, Instantkritik und Perfektionismus von Anfang an – um nur ein paar zu nennen. Machen Sie Ihr Team zu Ermöglichern: Gehen Sie insgesamt eher spielerisch-experimentell an Aufgaben und Probleme heran. Erweitern Sie Ihre Suchfelder auf Prozesse, Kernkompetenzen, Bedürfnisse und Trends. Schaffen Sie Freiräume und eine offene Kommunikationskultur. Ermutigen Sie zum stetigen Infragestellen des bisher Erreichten. Erst über diese täglich gelebten Unternehmenswerte wird Innovation zu Ihrer Identität.

Quellen:

Jürgen Hauschildt, Sören Salomo „Innovationsmanagement“
Handelsblatt
Harvard Business Manager
PwC „Innovation – Deutsche Wege zum Erfolg“
Bundesministerium für Bildung und Forschung „Deutschlands Innovationskraft wächst“
C. Buchholz, R. Krumm „Innovationskultur“

Lutz ist Creative Director bei New Communication. Seit Agentur-Gründung sorgt er für öffentliches Aufsehen mit wegweisenden Designs und Interfaces. Nebenbei lebt er seine Typographie-Leidenschaft aus. Definiert Corporate Designs. Leitet Kreativ-Workshops. Ist mehrfacher Fachbuch-Autor. Und generiert systematisch Ideen im Sekundentakt. Während Sie diesen Text lesen, waren es übrigens 15 neue.

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