Auch mittelständische Unternehmen strecken immer weiter ihre Fühler aus und gehen in den internationalen Markt. Insbesondere Spezialist*innen sind auf der gesamten Welt gefragt und möchten auch für internationale Suchanfragen sichtbar sein. Um in den gewünschten Ländern gefunden zu werden, ist die internationale Suchmaschinenoptimierung gefragt und bietet einige konzeptionelle Ansätze, die es zu berücksichtigen gilt.

Domains

Es gibt eine Vielzahl von Domain-Arten, die sich in ccTLD und gTLD gliedern. Was ist dabei der Unterschied und warum ist das für Internationales-SEO relevant?

1.1.    ccTLD

Die Abkürzung steht für „Country Code Top Level Domain“. Es handelt sich dabei um eine länderspezifische Top-Level Domain. Die Domain lässt sich entsprechend seiner geografischen Lage zuordnen. Jedem Land ist dabei eine ccTLD zugeteilt.

Zum Beispiel:

Für manche Länder wird nicht der ISO-Ländercode verwendet, sondern ASCII-IDs (z. B. .uk anstelle von .gb). Im chinesischen Sprachraum gibt es durch verschiedene Dialekt unterschiedliche ccTLDs, sogenannte „internationalisierte ccTLD“ abgekürzt IDN ccTLD oder ccIDNs.

Starkes SEO-Signal

Über diesen Ländercode geben wir der Suchmaschine ein starkes Signal und zeigen deutlich , für welche Region die Inhalte der Website optimiert sind. Eine Website mit verschiedenen Ländercodes, die hinsichtlich Qualität, Vertrauenswürdigkeit und Autorität theoretisch gleich ausgeprägt ist, würde die jeweilige Domain des jeweiligen Landes bevorzugen. Ausschlaggebend ist dabei die IP-Adresse der Suchenden. Die Suchmaschine versucht entsprechend ihrer Region das beste Suchergebnis für sie zu erzielen.

Vertrauen gewinnen

Über Domains können wir Vertrauen vermitteln. Gerade bei Onlineshops kann sich das Vertrauen in direkte Verkäufe auswirken. Zudem lassen die Ländercodes auch vorhersagen, in welcher Währung in einem Shop bezahlt wird, beispielsweise in Euro bei amazon.de oder in Pfund bei amazon.co.uk

Das Vertrauen spiegelt sich entsprechend im Nutzer*innenverhalten und folglich im SEO-Ranking wider.

1.2.    gTLD

Die Abkürzung steht für Generic Top Level Domains. Das sind alle Domains, die keine länderspezifische Domain sind. Die Top Level Domains waren ursprünglich bestimmten Zwecken zugeordnet. So stand eine .com Domain zum Beispiel für „kommerzielle Inhalte“, .net für „Netzwerk“ oder .org für „Organisation“. Seit 2014 sind weitere, neue generische Domain-Endungen verfügbar. .shop, .sh oder .online zählen dazu, um beispielhaft einen Bruchteil der neuen gTLD zu nennen.

Generisch und trotzdem Länderspezifisch

Webseiten, die international, in mehreren Sprachen und Ländern Sichtbarkeit erzeugen soll, sollten auf eine generische Top Level Domain setzen. Die gTLD sollte zudem für jede genutzte Sprache einen Unterordner/Subdomain haben:

  • beispiel.com/es für spanischen Content
  • beispiel.com/de für deutschsprachigen Content

Die einzelnen sprachlichen Unterordner lassen sich zudem über die Google Search Console für ein bestimmtes Land kennzeichnen. Das ist bei einer ccTLD nicht möglich. Somit erlangt die eigentliche generische Domain für den Unterordner (z. B. /fr) den Status einer länderspezifischen Domain.

Beim internationalen SEO ist es nicht nur entscheidend, dass die Inhalte 1:1 übersetzt werden, sondern dass auch auf die länderspezifischen Ansprüche Rücksicht genommen wird. Das gilt u.a. für:

  • Produktportfolio
  • Produktnamen
  • Technische Beschreibungen
  • Bilder
  • u.v.m.

Die Anforderungen können und sollten sich nach Land unterscheiden, sodass die Nutzer*innen aus einem bestimmten Land, den für sie optimalen Inhalt zur Verfügung gestellt bekommen.

Backlinks

Ein weiterer Vorteil einer generischen Top Level Domain ist, dass der gesamte Inhalt in allen Sprachen, auf einer Domain kanalisiert wird. Verlinkungen, die auf ein Linkprofil einzahlen, werden somit nicht auf die länderspezifischen ccTLDs aufgeteilt, sondern gehen alle auf eine gTLD.

Zudem kann der Linkaufbau in Fremdsprachenländern schwierig sein. Je nachdem wie groß eine Niederlassung im ausländischen Markt ist, stehen teilweise wenig bis keine Kapazitäten für das Linkbuilding zur Verfügung. Auch die Akzeptanz kann durch mangelnde Kenntnis oder Aufklärung auf Ablehnung stoßen. Als Folge entsteht bei einer ccTLD ein Linkprofil ohne oder mit sehr wenig eingehenden Backlinks, die Seite wird von Google als wenig vertrauenswürdig eingestuft und erhält kaum Sichtbarkeit.

DomainVerlinkende Domains
jnj.de 570
jnj.ch 479
jnj.com  35.898
jnj.co.uk 13

Abbildung 1: Verlinkende Domains lt. ahrefs

Folgende Aspekte sollten außerdem beim Domain-Setup bedacht werden:

Alle ccTLDs kaufen:

Auch wenn sich alles auf einer gTLD kanalisiert, sollten für jedes Land eine ccTLD gekauft werden und per 301-Weiterleitung auf den jeweiligen Sprachordner des gTLD leiten.

Sprachbarrieren überwinden:

Nur international verständliche Begriffe in der Domain verwenden. „maschinenbau-xyz.de“ oder „kunststoff-xyz“ wäre international nicht verständlich. Gleiches gilt für Umlaute in der Domain. Diese sind anderen Märkten teilweise nicht bekannt. Einfache Domains sind auch für Printerzeugnisse in der Unternehmenskommunikation von großer Bedeutung

Hreflang-Tags verwenden:

Eine Seite verweist per Hreflang-Tags auf dieselben Seiten in anderen Sprachen. Die Inhalte werden virtuell verbunden. Sie verbessern jedoch nicht das Ranking. Nutzer*innen wird so allerdings gezeigt, welche die für sie richtige Seite ist. Indirekt verbessert sich somit die Sichtbarkeit im jeweiligen Land. Als Beispiel: die Suchergebnisse für Zalando hat die Nutzer*innen aus Österreich in den deutschen Shop geschickt. Nach der Umstellung des hreflang wurde die Sichtbarkeit in .at verbessert.   

Abbildung 2: Zalando im österreichischen Markt - Sichtbarkeitsvergleich zalando.at vs. zalando.de

Abbildung 2: Zalando im österreichischen Markt - Sichtbarkeitsvergleich zalando.at vs. zalando.de

Es wird primär bei gleichen Sprachen für unterschiedliche Länder verwenden.

Andere Suchmaschinen berücksichtigen:

Das Lang-Attribut wird von Google nicht benötigt, kann aber für andere Suchmaschinen wichtig sein.

Google Search Console nutzen:

In der Google Search Console sollte eine länderspezifische Property angelegt werden.

IP-Redirects vermeiden:

Google nutzt für die meisten Crawler Bots aus den USA. Damit könnte es über einen IP-Redirect dazu führen, dass für den Crawler nur die Seite für den US-Markt sichtbar und relevant ist. Andere Sprachen verlieren an Wert. 

Interne Verlinkungen:

Jede Seite sollte auf alle lokalen Startseiten verlinken. Das kann z. B. über eine Top-Navigation oder den Footer geschehen.

Prüfen, ob alle Inhalte vollständig für das Land optimiert sind:

  • Seitentitel
  • Meta Description
  • H1 … H6
  • Content
  • Bilder, Videos, Audio
  • URL
  • Markup

Lokales Suchverhalten berücksichtigen:

Inhalte sollten nicht 1:1 stumpf über ein Tool übersetzt werden. Auch, wenn diese immer besser werden. Minimum sollte eine Kontrolle der Texte sein. Länderspezifische Inhalte wie z. B. „Gelber Sack“ – „Yellow Back“ können nicht einfach übernommen werden. Ebenso können auch Zertifikate nicht 1:1 übernommen werden. Diese gibt es möglicherweise gar nicht auf dem Markt und sind gänzlich unbekannt.

Fazit

Im internationalen SEO gibt es viel zu beachten. Nicht jedes Land benötigt die gleichen Inhalte oder hat ein identisches Suchverhalten. Wer Potenzial in internationalen Märkten sieht, sollte sich entsprechend auch mit der Sichtbarkeit in diesen Ländern auseinandersetzen und die Interessen und Bedürfnisse der Nutzer*innen dort kennen. Auch technische Aspekte wie das Domain-Setup oder die Konfiguration des Content Management Systems für die Mehrsprachigkeit sollte berücksichtigt und auf einen nachhaltigen Markteintritt vorbereitet sein. Zudem ist die Akzeptanz, Wichtigkeit und Mitarbeit der Mitarbeiter*innen in den internationalen Niederlassungen für ein Linkaufbau besonders wichtig. Suchmaschinenoptimierung beschränkt sich nicht mehr auf eine einzelne Einheit im Unternehmen, sondern geht durch alle Instanzen. 

Quellen

seoagentur.de

blog.bloofusion.de

Webinar: International SEO, Juni 2021 united-domains, mit Markus Hövener

ahrefs.com

de.sistrix.com

Theo ist Berater für digitale Kommunikation bei New Communication. Als Experte für SEO sorgt der studierte Betriebswirt für eine möglichst gute Suchmaschinen-Platzierung unserer Kunden im Netz. Privat geht’s für Theo dagegen um eine möglichste gute Platzierung ÜBER das Netz: Beim Badminton feuert er mit Bällen so präzise wie sonst nur mit Keywords.

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