Was braucht es, damit ein bekanntes Konzept noch mal so richtig Schwung bekommt? Natürlich einen fancy englischen Namen. Idealerweise steckt noch ein Wortspiel drin. Und Re-Commerce klingt doch wirklich viel schöner als Gebrauchtwarenmarkt. Weniger schmuddelig. Da muss man sich nicht schämen, wenn es eben nicht nigelnagelneu ist. Ist schließlich auch nachhaltig.

Früher, als man bei Kleinanzeigen noch nicht direkt an eine App und irgendwie an eBay dachte, gab es eine Rubrik in der Tageszeitung. Meist mittwochs und samstags. Da wurde alles angeboten, was nicht bei drei auf dem Baum war. Autos, eine ältere Heckenschere, Katzenbabys, die große Liebe. Wie gesagt, das Konzept ist nicht neu.

Den Sprung ins Internet schafften die Kleinanzeigen und Weiterverkäufe durch die Portale eBay und craigslist. Besonders in den USA sprachen sich die digitalen Flohmärkte schnell herum und verhalfen vielen Gegenständen zu einem zweiten Leben. In Deutschland brauchte es noch etwas länger.

A rose by any other name – Wie Secondhand ein zweiter Frühling eingehaucht wird

Secondhand ist ein bekannter Begriff. Einer, bei dem direkt gewisse Assoziationen mitschwingen. Nicht alle unbedingt positiv. Klar, dass sich da die Marketingabteilungen weltweit erst einmal die Köpfe zerbrechen. Secondhand wieder cool machen? Das klingt doch nach einer sehr nischigen Zielgruppe. Um die breite Masse anzusprechen, muss ein neuer Begriff her. Oder gleich mehrere. Und so verstecken sich hinter preloved, pre-owned, re-use, second love immer das Gleiche: gebrauchte Waren. Aber es funktioniert. Besonders bei Gen Z.

Refurbished Revolution: Mein neues iPhone ist dein altes

43 % der Europäer*innen haben in der Vergangenheit ein gebrauchtes Smartphone erworben. Ausschlaggebend seien vorrangig die niedrigeren Kosten. Das fand eine Studie des Marktforschungsinstituts IDC heraus. Das Besondere: Die Smartphones werden nicht einfach bloß gebraucht weiterverkauft. Erwirbt man sie über Plattformen wie refurbed oder rebuy, wurden die Smartphones, bzw. andere Technikartikel aufbereitet oder geprüft und erhalten dabei sogar erneut eine Garantie für die Käufer*innen.

Thrifting Trend: Vintage ist das neue Retro

„Wearing a secondhand outfit these days is something to brag about, not whisper“ titelte erst kürzlich die britische Zeitung The Guardian. Immerhin wird gebrauchte Kleidung bald 10 % der globalen Fashion-Verkaufszahlen ausmachen. Ein Trend also, der gekommen ist, um zu bleiben. Und der Auswirkungen auf Marken hat. Neben Plattformen wie momox fashion, Vestiaire Collective und der Händler AboutYou, setzen jetzt auch Brands wie Zara und H&M darauf, die bereits verkaufte Kleidung erneut zu Geld zu machen. Ob den Fast-Fashion-Giganten wirklich die Nachhaltigkeit plötzlich besonders wichtig ist, oder ob sie bei manchen Zielgruppen ihre Felle davon schwimmen sehen, sei mal dahingestellt.

Verkauf leicht gemacht

Nicht immer muss man sich mit seltsamen Anfragen auf Kleinanzeigen herumschlagen. Gerade wer mehrere Produkte gleichzeitig verkaufen möchte, wird sich über die Prozesse wie die von Momox freuen. Ob Bücher oder Kleidung – einfach die ISBN-Nummer oder Artikel-Beschreibung eingeben und direkt wird einem der Betrag angezeigt, den Momox dafür zahlen würde. Die Waren einfach in eine Box und das Label ausdrucken – der Versand ist meist kostenlos – und nach kurzer Zeit ist das Geld schon auf dem Konto. Verkauft wird dann über medimops oder momox Fashion. Ein Konzept, das aufgeht. Nicht erst seit gestern, sondern bereits seit 2004.

Damit Verkäufer*innen es so einfach wie möglich haben, macht sich Momox selbst die Arbeit. Kleidung wird genau angeschaut, nachgemessen, Farbe und Material bestimmt. Der Vorteil von verwalteten Plattformen wie ReBuy und refurbed als auch der Wiederverkauf von Marken und Handel liegt auf der Hand: Verkäufer*innen sparen Zeit, Nutzer*innen erhalten kontrollierte Ware, die genau hält, was sie auch verspricht. Dieser Komfort ist allerdings nicht kostenlos: Verkäufer*innen erhalten weniger, Käufer*innen zahlen mehr, als das bei Plattformen wie Kleinanzeigen oder Vinted der Fall wäre.

Secondhand-Kleidung ins Greenwashing? Ist Re-Commerce nachhaltig?

Hängt ganz davon ab. Im Bereich Technik ist oft der Preis die wahre Motivation für Konsument*innen, gebraucht zu kaufen. Aber auch ökologisch kann sich dies für uns (und den Planeten) auszahlen. Ein aufbereitetes Smartphone etwa spart rund 50 kg CO₂ ein. Hinzu kommen etwa 164 kg Rohstoffe, die nicht abgebaut werden müssen.

Rebuy gibt an, durch den Verkauf von Gebrauchtbüchern die Papiermenge von rund 35.000 Bäume eingespart werden konnten.

Und auch in puncto Retouren sind die Zahlen im Vergleich zum klassischen Onlinehandel geringer. Glaubt man Momox, liegt die Quote der Rücksendungen bei gerade einmal 20 - 30 %.

Doch auch sanfte Kritik ist zu vernehmen – insbesondere, wenn es um gebrauchte Kleidung geht. Die Möglichkeit, Kleidung einfach und unkompliziert wieder verkaufen zu können, könne dazu führen, dass man noch sorgloser neu kaufe. Das würde damit den Fast-Fashion-Riesen in die Hände spielen. Immerhin verkaufen 70 % der Nutzer*innen der Re-Commerce-Plattformen dort ihre Kleidung, um die eigene Kaufkraft für Neuanschaffungen zu erhöhen.

Fazit

Der Trend Re-Commerce wird weitergehen. Ob es aber wirklich auch der Nachhaltigkeit dient, bleibt in der Hand der Nutzer*innen dieser Angebote. Nur, wenn damit nicht Platz für mehr neuere Produkte geschaffen wird, die in kürzester Zeit wieder zum Verkauf stehen, kann Re-Commerce auch nachhaltig sein.

 

Quellen:

fashionchangers.de
fashionunited.de
cision.com
heise.de
theguardian.com
pwc.de
vogue.de
 

Jana sorgt als ausgebildete Social-Media-Managerin und Expertin für Public Relations und Newsletter-Marketing bei New Communication dafür, dass ihre Kund*innen im Rampenlicht stehen. Als Fachfrau für Krisenkommunikation, Corporate Language und Investor-Relations trifft sie immer den richtigen Ton. Kein Wunder, dass die studierte Anglistin und Skandinavistin privat dem medialen Getöse gern mal den Rücken kehrt und in Norwegen Schnee- statt Shitstorms die Stirn bietet.

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